Freitag, 12. Mai 2017

Stabilität - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der vierundfünzigste Wert ist:


STABILITÄT

Wikipedia sagt:
Emotionale Stabilität ist im Gegensatz zur emotionalen Labilität die ausgeprägte Fähigkeit zur Kontrolle der eigenen Emotionen. Emotional stabile Personen zeigen ausgeglichene und wenig sprunghafte emotionale Reaktionen sowie die Fähigkeit zur raschen Überwindung von Misserfolgen und Rückschlägen. [...] (https://de.wikipedia.org/wiki/Emotionale_Stabilität)

Wenn es um emotionale Stabilität geht, bin ich wohl der Master. Ich vermute aber, dass ich wahrscheinlich einfach nur einen zu geringen Blutdruck habe. Oder zu wenig Adrenalinproduktion.

Über positives Feedback von Kunden freue ich mich immer sehr und stelle fest, dass am meisten meine Ausgeglichenheit gelobt wird. Und ja, man braucht einen kühlen Kopf in diesem wuseligen Job. In der Teamführung, die so viele verschiedene Ideen aufeinanderprallen lässt.
Das lustige ist: je aufgeregter die Teilnehmer meiner Kurse sind, desto ruhiger werde ich. Ich nehme automatisch den Gegenpol ein und lausche den vielen Ideen und Worten, die um mich fliegen.

Gestern abend war wieder Probe mit der Gruppe Vorspiel. Wir haben ihr neues Stück "Der Sturm" von William Shakespeare zu Ende gelesen und ich fragte nach ihren Gedanken und ersten Eindrücken. Erst waren alle zögerlich, einige moserten an dem komischen Ende rum und plötzlich hatte einer eine Idee, wie es stattdessen enden könnte bzw. wie man das Ende noch ergänzen könnte. Und ab der Sekunde startete ein wirklicher Sturm an Ideen, die jeder in die Runde warf. Ich fand es toll, diese freigesetzte kreative Energie im Raum zu spüren und belustigt den absurdesten Einfällen zu lauschen. Als ich dann selbst nicht mehr folgen konnte und kaum noch einer Gelegenheit hatte einen Satz auszusprechen, musste ich anfangen, die Runde ein bißchen zu moderieren.
Solch einen Sturm auszuhalten, erfordert Stabilität. Und auch wenn eine gewisse Ausgeglichenheit angeboren ist, braucht diese Stabilität Übung.
Denn Stabilität heißt nicht nur, dass sie nach außen stabil wirkt, sondern dass sie es im Inneren tatsächlich ist.

Als ich vor neun Jahren in meiner Freizeit mit der Theatergruppe Berlin startete, war von dieser inneren Stabilität noch nicht viel zu merken. Redeten alle durcheinander oder hatten - der absolute Horror - andere Ideen als ich, habe ich innerlich am Rad gedreht. Ich habe es mir nicht anmerken lassen, aber ich hatte nicht die entspannte Haltung, dass schon alles gut werden wird. Wenn meine Ideen abgelehnt wurden, hatte ich Angst, mir entgleitet alles. Ich begann hintenrum zu manipulieren und Strippen zu ziehen, unfair zu sein und zu tricksen. Alles aus der Angst heraus, die Kontrolle zu verlieren. Die nächsten Jahre waren dann ein langer Lernprozess und sind es noch immer.

Heute, neun Jahre und 26 Inszenierungen später weiß ich: es wird immer alles gut - egal wie es ausgeht.
Denn ich kann an dem, was gerade ist, nichts ändern. Aber ich kann Weichen für die Zukunft stellen und bin jederzeit frei, in eine andere Richtung zu gehen.


Arthur Schopenhauer drückt es ganz simpel aus:


Foto: "Leonce und Lena", Theatergruppe Vorspiel: https://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel

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