Freitag, 28. Oktober 2016

Kreativität - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der sechsundzwanzigste Wert ist:

KREATIVITÄT
Wikipedia sagt:
Kreativität ist allgemein die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Ansätze, was Kreativität im einzelnen auszeichnet und wie sie entsteht.
Der Begriff Kreativität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem die Eigenschaft eines Menschen, schöpferisch zu sein, was wiederum auf seinen Ursprung aus dem Lateinischen zurückgeht. „Creare“ bedeutet übersetzt „schöpfen“. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativität)
Wir sind mal wieder bei einem meiner wichtigsten Werte angekommen: Kreativität. Für mich bedeutet es genau das, was die Definition beschreibt: etwas erschaffen. Es ist so eine große Freude und ein so befriedigendes Gefühl, etwas zu erschaffen.
Wir Menschen haben uns mühsam auf zwei Beine gewuchtet, um die Hände freizuhaben und sie zu nutzen. Unser Gehirn hat sich ebenfalls weiterentwickelt, um komplexe Vorgänge zu verstehen und neu zu erdenken - und um zu schöpfen.

Jeder Mensch ist kreativ. Diese Fähigkeit wurde uns von Natur aus in die Wiege gelegt. Wird unsere Kreativität während des Aufwachsens gefördert, ist die Basis gelegt, dass wir sie danach selbständig und selbstverständlich nutzen. Wir haben dann den Drang weiterhin schöpferisch tätig zu sein und werden immer einen Weg finden, das zu tun.
Haben wir diese Basis nicht, ist es schwieriger, aber nicht unmöglich. Wenn der Schöpfungsdrang groß genug ist, wird er sich einen Weg bahnen.
Kreativität kann man schwer messen und man kann sie schwer lernen. Wir tragen sie schließlich bereits in uns. Sie muss nur Raum haben, sich zu entfalten.

Was fördert Kreativität? Meiner Erfahrung nach Zeit, Ruhe, fehlende Ablenkung, Langeweile und Einschränkungen.
Als Kind war ich stets dann am kreativsten, wenn ich meine Ruhe hatte, für mich allein war. Wenn ich Zeit hatte, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Wenn es keine Angebote von außen gab, sondern ich von selbst herausfinden musste, womit ich mich beschäftigen will. Wenn die Langeweile einsetzt, ist es nicht mehr weit zum kreativen Schub. Wenn wir nichts um uns haben, was uns beschäftigt, dann erschaffen wir uns etwas. Wir fangen an zu schöpfen. Wir denken uns Geschichten aus, wir schreiben, wir singen, wir malen, zeichnen, werkeln, basteln, ... und wir spielen. Im Spiel können wir alles tun, wir können frei entscheiden, wir haben keine Regeln, wir können vor Kreativität übersprudeln.
Und je stärker dabei die Einschränkung der Materialien, Freiheiten oder Voraussetzungen ist, desto mehr wird unser Gehirn angeregt Lösungen zu finden. Die kreativsten Ideen entstehen meist aus einem Mangel.

Und genau das, was wir selbst erschaffen haben, ist das, was uns am glücklichsten macht.
Der kreative Schöpfungsprozess ist ein wunderbares, unvergleichliches und für uns wahnsinnig wichtiges Gefühl - egal ob wir eine Theaterrolle spielen, einen Artikel schreiben, wissenschaftlich arbeiten, Pflanzen züchten, bauen oder kochen.
Was auch immer es ist - es ist aus uns entsprungen.
Meine Kreativität - das bin ich.


Die passenden Worte kommen dieses Mal von Thomas Carlyle:


Foto: "Die Vögel", Schnellzünder-Theaterprojekt

Mittwoch, 26. Oktober 2016

#monthlyfavourites - Oktober-Lieblinge




Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im Oktober! Diesen Monat gibt es zum Abschluss noch eine neue Kategorie: "Zum Anschauen". Dort versammeln sich in Zukunft Serien, Filme, Ausstellungen und Theaterinszenierungen.



Zum Arbeiten

Ich bin frisch zurück aus Wien und habe für alle drei Theatergruppen, die ich momentan betreue, jeweils eine Tüte Sportgummi mitgebracht, leckere Fruchtgummis, die wie "von früher" schmecken, quasi Retro-Fruchtgummi.
Ein langjähriger Begleiter ist inzwischen mein Soundfreaq, ein kleiner Lautsprecher für unterwegs, den ich gern zu Proben und Workshops mitnehme, um Übungen mit Soundkulissen zu untermalen. Diesen Monat kommt er mal wieder zum Einsatz. Das schöne: ich kann ihn an meine kleinen, superleichten iPods anschließen.
In Probenräumen und Theatern sowie auf dem Weg zur Arbeit wird es jetzt wieder kalt. Ein klassischer Begleiter in der Herbstzeit sind dann stets gestrickte und gehäkelte Stulpen. Das Häkeln neuer Stulpen-Paare ist auch die perfekte Beschäftigung für die Arbeitswege in Bus und Bahn - am liebsten in Kombination mit einem Hörbuch.


Zum Aufhübschen

In Wien gibt es die Drogerie-Kette Bipa, der ich immer einen Besuch abstatte, wenn ich dort bin. Diesmal ist der Lippenpflegestift bi good in der Sorte "Schwarze Ribisel" ins Gepäck gewandert. Ribiseln sind übrigens Johannisbeeren.;)
Während ich weg war, kam auch die Glossybox wieder an und darin befand sich ein Wimpernserum, dass ich die nächsten Wochen testen werde. Ich bin schon sehr gespannt, ob es meine Wimpern wirklich verlängert! By the way: bisher habe ich meine Wimpern abends immer mit einem Lippenpflegestift gepflegt, einfach bei geschlossenen Augenlidern über den Wimpernkranz streichen. Ein klein bißchen länger sind sie dadurch auch geworden!


Zum Lesen

Im Urlaub kaufte mir mein Mann als Überraschung den neuesten Band meiner geliebten Krimireihe von Petros Markaris: "Zurück auf Start". Die Krimis begleiten den Athener Polizeikommissar Kostas Charitos bei der Lösung seiner Fälle. Der Schreibstil ist ganz simpel und schlicht und ich mag einfach die Figuren gerne. Zudem spielt die politische Lage in Griechenland stets eine wichtige Rolle und es ist sehr interessant, sie aus Sicht von Griechen zu lesen.
Zum Geburtstag bekam ich ganz traditionsgemäß wieder eine DT-Card für´s Deutsche Theater geschenkt. Nun gehört zu meiner liebsten Lektüre das neue Programmheft für die aktuelle Spielzeit. Ich muss mich nur noch für ein paar Inszenierungen entscheiden, die ich sehen will.


Zum Essen

Zwei Andenken habe ich mir aus Wien mitgenommen: einen schwarzen Tee mit Orangenaroma mit dem schönen Titel "Wiener Walzer" und eine ganz kleine Sachertorte in der Dose.
Zusätzlich wird der Herbst durch Birnen und Pflaumen aus unserer Gemüsebox versüßt.


Zum Stöbern

Ein schönes Interview mit Samuel Finzi, einem wirklich tollen Schauspieler, der mit feinen Gesten viel erzählen kann:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/samuel-finzi-bruellt-nur-auf-der-buehne-ich-umarme-menschen-immer-sofort/14686402.html

Mit Lydia vom Blog Büronymus habe ich mich letztens getroffen und über ein Thema geredet, das sie nun in einem tollen Blogartikel verpackt hat:
https://bueronymus.wordpress.com/2016/10/13/und-jetzt-auf-einmal-toller-chef/


Zum Hören

Meine beiden iPods sind meine ständigen Begleiter. Auf einem habe ich immer Musik, auf dem anderen Hörbücher, die ich monatlich mit meinem audible-Abo runterlade.
Aktuell höre ich "Von der Erde zum Mond" von Jules Verne und amüsiere mich sehr. Vielleicht sollte ich es mal auf die Bühne bringen?

In Wien war ich wie jedes Jahr beim Konzert "Hollywood in Vienna". Bis zum Sonntag ist der Mitschnitt noch online zu hören, am 30.10. kommt im ORF-Fernsehen die filmische Aufzeichnung des Konzerts ... und ist sicherlich bald bei Youtube online.;)


Zum Anschauen
Als Serienjunkie gucke ich stetig ein oder zwei Serien parallel, die für mich auch immer große Inspiration für die Theaterarbeit sind.

Gerade zu Ende geguckt habe ich "Babylon 5", eine Science-Fiction-Serie aus den 90er-Jahren. Die Charaktere sind mit viel Liebe gestaltet und die Serie stammt komplett aus der Feder eines einzigen Mannes. Deshalb ist sie in sich stimmig und hat mich einfach mitgerissen. Die letzten beiden Folgen bin ich durch ein tiefes Tal der Tränen geschritten, so schmerzhaft war der Abschied von den einzelnen Figuren.
Folgende Szene steht für das, was mich an Science-Fiction-Serien immer wieder begeistert - die großartigen Reden und Gedanken, die fortschrittlichen und gleichzeitig zeitlosen Schlüsse, die aus der Vergangenheit gezogen werden. Stets sind diese Serien ein Spiegel unserer aktuellen Zeit - ganz egal, welches Jahrzehnt oder Jahrhundert wir gerade haben.




Die oben genannte Trauer am Ende einer Serie kannte ich vorher nur von "Doctor Who" - einer Serie, die ich heiß und innig liebe. Da müssen wir zwar bis zum nächsten Jahr auf die neue Staffel warten, aber bis dahin gibt es das SpinOff "Class" auf BBC Three. Es kann mit Doctor Who natürlich nicht mithalten, ist aber trotzdem schön gemacht und widmet sich nebenbei - ganz untypisch für eine "Teenie"-Serie - den psychischen Folgen traumatischer Ereignisse. Im Stil von Buffy formiert sich an einer englischen Schule eine Scooby Gang, bestehend aus einem außerirdischen Prinzen, seiner ihm anvertrauten Gefangenen Mrs Quill (die mich optisch an die Genossin und Vorspielerin Anne erinnert) und mehreren Schülern, die zusammen gegen Außerirdische Eindringlinge kämpfen.




Ein weiterer aktueller Favorit ist "Narcos", eine Serie über Pablo Escobar, verfügbar auf Netflix. Die Tatsache, dass die Handlung auf realen Ereignissen basiert, macht einen großen Reiz aus. Die Sprache und die Schauspieler nehmen einen gefangen und es besteht größte Binge-Watching-Gefahr.





Montag, 24. Oktober 2016

Wie ich neue Inspirationen finde - im Urlaub und im Alltag



Inspiration ist der Nährstoff für kreatives Schaffen und neue Ideen. Inspiration gilt als "Eingebung", aber eigentlich ist es ganz profan der Moment, wenn uns Dinge, Erlebnisse, Personen zu neuen Ideen anregen.
Ich bin jemand, der aus sehr vielen Dingen Inspiration zieht, aus einem Stein am Wegesrand oder einem Satz in einer Zeitung. Aber dennoch haben sich einige Methoden bewährt, um den Inspirationstank wieder aufzufüllen. In meinem letzten Urlaub habe ich diese Methoden bewusst angewendet und versuche auch im Alltag immer mal wieder darauf zurückzugreifen.



Tapetenwechsel
Das offensichtlichste zuerst: wenn wir verreisen oder einfach einen Ausflug an einen neuen Ort machen, ist es das ein enormer Boost für unsere Inspiration. Das Gehirn bekommt viele neue Eindrücke zum Verarbeiten, neue Bilder, Geräusche, Gerüche und Geschmäcker strömen auf uns ein. Wir nehmen von Reisen immer neue Ideen und Vorhaben mit nach Hause. Nicht alle setzen wir um, aber oft ist der Impuls, den wir an einem neuen Ort bekommen, so stark, dass er uns dazu bringt, etwas zu verändern oder eine Idee umzusetzen.
Im Alltag reicht auch schon ein Spaziergang in der Mittagspause oder ein anderer Weg zur Arbeit.

Zeit
Auf einer Reise hat man meist viel mehr Zeit - man muss schließlich nicht arbeiten. Der Stress nimmt automatisch ab und das Leben verlangsamt sich.
Diesen Effekt in den Alltag zu bringen, ist sehr schwer - aber möglich. Wenn wir uns für Dinge mehr Zeit nehmen, hat der Kopf Gelegenheit, abzuschalten und sich für neue Ideen zu öffnen.
Im Urlaub hatte ich am ersten Tag die Idee, die geschenkte Zeit zum Zeichnen zu nutzen. Das habe ich früher öfter gemacht, aber die letzten Jahre fast gar nicht mehr. Ich kaufte mir sofort ein Notizbuch und ein paar Grafit-Stifte und in den nächsten Tagen hatte ich den Zeichenblock bei allen Ausflügen dabei und konnte in völliger Ruhe ein paar Skizzen machen.
Zeichnen ist für mich kein geliebtes Hobby, sondern einfach eine angenehme Beschäftigung. Es hilft mir, meine Konzentration und Feinmotorik zu schulen. Mir dafür Zeit nehmen zu können, war toll.

Im Alltag versuche ich bestimmte Prozesse "künstlich" zu verlangsamen, z.B. indem ich mir ein Notizbuch nehme, mich in ein anderes Zimmer setze und in Ruhe nur auf eine Aufgabe erledige.






Keine Ablenkung
Um die Konzentration zu trainieren und den Kopf für neuen Input zu öffnen, ist es wichtig, keine Ablenkung zu haben. Im Urlaub gleichzeitig auch acht Tage lang auf Facebook zu verzichten, war eine gute Entscheidung. So war mein Fokus auf meinen Partner, unsere gemeinsamen Erlebnisse und alle neuen Eindrücke, die mir jeden Tag begegneten, gerichtet.
Im Alltag hilft es mir, im Browser Social-Media-Kanäle immer wieder zu schließen, nachdem ich sie besucht habe, und das Mailprogramm zu beenden, wenn ich gerade keine Mails abarbeite.


Notizen
Ich bin die Herrin der Notizbücher. Früher hatte ich immer ein Notizbuch, in das ich alles reingeschrieben habe, was mich beschäftigt hat, was ich mir merken will, was sich als Ideen in meinem Kopf entspann. Mit Beginn der Selbständigkeit wurde das unpraktisch, da sich private und geschäftliche Notizen vermischten.
Also begann ich, unterschiedliche Notizbücher anzulegen. Dieser Stapel wächst beachtlich, aber er hilft mir, neue Inspirationen so zu notieren, dass ich auch schnell wieder darauf zugreifen kann. Folge: die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine Idee umsetze, ist enorm gestiegen.
Im Urlaub hatte ich nur ein kleines allgemeines Notizbuch dabei, die neuen Ideen habe ich dann zu Hause in verschiedene andere Notizbücher übertragen - je nach Thema.


Rumspinnen
Unser Kopf zensiert gern unsere Gedanken. Nicht umsonst gibt es extra Regeln für´s Brainstorming. Wenn wir alle neuen Gedankenblitze sofort zensieren und negieren, wird die Basis für wirklich gute Ideen zerstört. Wenn uns etwas inspiriert, ist Rumspinnen eine großartige Methode, um daraus mehr zu entwickeln. Besonders toll funktioniert das im Gespräch mit anderen, da man sich so den Ball zuspielen kann.
Im Alltag suche ich immer wieder den Austausch mit Freunden. Sich möglichst viel mit Menschen zu umgeben, die ebenfalls Freude am Ideen-Entwickeln haben, ist eine tolle Unterstützung.


Networking
Auch beim Networking geht es um den Austausch mit anderen, allerdings ergeben sich hier ganz andere Ideen, da immer die geschäftliche Komponente dahintersteht. Die Menschen, die einem auf Networking-Events begegnen, suchen nach Geschäftspartnern und denken in der Regel unternehmerisch.
Besonders inspirierend sind Events, die Menschen aus verschiedensten Tätigkeitsfeldern versammeln. Hier können ganz neue und bisher nicht dagewesene Ideen entstehen.


Wissenschaft, Kunst & (Pop-)Kultur
Gerade für meine Arbeit, die sich viel mit Regie und Inszenierung beschäftigt, ist es wichtig, sich mit Bildern, Verhaltensweisen, Mechanismen und Persönlichkeiten auseinanderzusetzen.
Im Urlaub hat man meist mehr Zeit, um sich beispielsweise in Museen Inspirationen zu holen und sich neues Wissen anzueignen.
Auch Tierparks und naturhistorische Museen finde ich für meine Arbeit unglaublich bereichernd, da auch wir Menschen nur Tiere sind und man auf der Bühne hervorragend mit tierischen Verhaltensweisen spielen kann.
Im Alltag und bei schlechtem Wetter sammle ich Ideen beim Gucken von Serien und Filmen - oder ich gehe ins Theater und lasse mich von anderen Inszenierungen inspirieren.































Mein Ziel ist, wieder mehr Zeit und Ruhe zur Inspirationsfindung in den Alltag zu integrieren - und all die Ideen (oder zumindest die meisten) auch umzusetzen.

Freitag, 21. Oktober 2016

Gleichheit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der fünfundzwanzigste Wert ist:

GLEICHHEIT

Wikipedia sagt:
Gleichheit (gelegentlich und vor allem im politischen oder philosophischen Kontext frz. Égalité) bedeutet Übereinstimmung einer Mehrzahl von Gegenständen, Personen oder Sachverhalten in einem bestimmten Merkmal bei Verschiedenheit in anderen Merkmalen. Identität bedeutet eine völlige Übereinstimmung, das heißt Ununterscheidbarkeit in Hinsicht auf jedes Merkmal. Ähnlichkeit bezeichnet eine nur annähernde Übereinstimmung. Gleichheit besteht zwischen zwei oder mehr Objekten und einer oder mehr Eigenschaften. Gleichheit bezeichnet das Verhältnis zwischen den verglichenen Gegenständen oder Personen. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit)
Es wird gern gesagt: wir Menschen sind alle gleich! Das stimmt - und stimmt nicht.
Biologisch gesehen sind wir sehr gleich. Unsere genetischen Unterschiede untereinander sind minimal.
Aber was aus diesem genetischen Material entsteht, was über die Jahre durch Umwelteinflüsse, Erziehung, Ernährung und Erfahrungen entsteht - das ist nicht gleich. Das ist sogar sehr verschieden.

Ist das gut oder schlecht? Es ist vor allem eines: komplex. Wir Menschen sind komplex und nicht leicht zu durchschauen. Wir sind keine Maschinen, wir funktionieren nicht auf Wunsch und wir sind auch nicht einfach in der Wartung und Reparatur. Unser System ist so komplex, dass wir uns oft selbst nicht verstehen. Warum unser Körper auf eine Sache reagiert und auf eine andere gar nicht, ist faszinierend und verwirrend zugleich. Und bei jemand anderem ist es genau anders herum.
Wie sollen wir denn da wissen, wie wir uns verhalten sollen?

Wir können es nicht. Aber wir können uns annähern. Wir Menschen lieben es, Schemata zu schaffen und Modelle. Und diese Modelle können sehr hilfreich sein. Sie können klassifizieren und erklären und einen groben Leitfaden erschaffen. Aber dieser Leitfaden kann niemals eine genaue Gebrauchsanleitung sein.

Brauchen wir eigentlich eine Gebrauchsanleitung für unsere Mitmenschen? Brauchen wir nicht einfach nur nett sein? 
Im Prinzip ja. Aber Nett-Sein ist so schwer - besonders, wenn wir unser Gegenüber nicht verstehen. Und wie sollen wir denjenigen auch verstehen, wenn wir nicht in seiner Haut stecken?

Wir können üben, es uns vorzustellen. Wir können uns gedanklich in den Körper des anderen versetzen, uns einfühlen.
Noch besser funktioniert es, wenn wir den anderen spielen. Wenn wir gezwungen sind - wenn auch nur für ein paar Minuten - genau so zu agieren wie eine andere Person. Und dabei zu lernen, wie es sich anfühlt, wenn man andere Bedürfnisse hat. Wenn man anders ist als man selbst. Wenn die eigenen Handlungen auf anderen Wünschen und Antreibern basieren. Wenn das Verhalten auf eine andere Weise gelenkt wird. Im Theater geht das. Und es sorgt für großartige Aha-Momente.

Plötzlich merken wir, warum nicht alle gleich sind. Und wir lernen, dass das gut so ist. Dass es eine Freude ist, so viele eigenwillige und sonderbare Individuen auf dieser Welt zu haben. Wir entdecken, dass wir nicht jeden mögen müssen und auch nicht jeden mögen können. Wir wissen, dass wir nie jemanden vollständig verstehen können ... aber wir können einen ersten Schritt in diese Richtung machen.
Wir sollten unsere Unterschiedlichkeit feiern und dennoch jedem mit der gleichen Akzeptanz begegnen. Mit einer Gelassenheit, die uns hilft, unsere Verschiedenheiten neugierig zu betrachten statt sie zu verurteilen.

Wir sind nicht gleich. Und das ist auch gut so.
Aber wir können auch zu Ungleichen nett sein. Und das ist gar nicht so schwer.


Diesmal gibt es passend dazu ein Zitat von Mengzi:


Foto: "Wer zuletzt lacht", Theatergruppe GROBKOST: http://www.facebook.com/grobkost

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Recap/Preview #2


Der Herbst ist da und es hat sich so einiges getan in letzter Zeit. Zeit für einen neuen Recap/Preview-Post!


Eine neue Saison bringt neue Erfahrungen
Im letzten Recap berichtete ich von der Professional Speaker Academy und schon ist mein Seminartag vorbei und die Teilnehmer haben die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Es war mir eine Freude! Hier gibt es Fotos vom Seminartag.

Die Vorspieler entdecken Facebook immer mehr für sich und auch hier gibt es immer wieder neue Fotos von den Proben zum neuen Stück "Dreams Inc.". Die Bilder von mir bei der Arbeit häufen sich also.;) Schaut mal rein!
Auch von boatify war im letzten Recap die Rede und nur kurze Zeit später saß ich mit Florian Eberhart, der auch Verkaufs- und Pitch-Trainer ist, in fancy CoWorking-Spaces und brainstormte für einen neue Workshopreihe, das Berlin StartUp Leadership Program, das sich besonders an StartUps richtet. In der Reihe werden wir uns damit beschäftigen, wie das perfekte Gründungsteam aussieht, welche Persönlichkeitstypen in so einem Team zusammenkommen und welche Bedürfnisse jeder hat. Es wird um Status-Verhalten und Gruppendynamik gehen und die Werte, die das junge Unternehmen nach außen und innen vertritt. Das alles in einem Workshopformat, das jeweils aus einem Vortrag und einem theaterpraktischen Übungsteil besteht. Für mich eine besondere Herausforderung: das ganze soll auf Englisch stattfinden! #newchallenge
Stay tuned!


Gruppendrang statt Gruppenzwang ... und ganz viel Gruppendynamik
Mein neuer Gruppendrang-Kurs ging nach mehreren Anläufen in diesem Jahr nun endlich im September an den Start. Es sind coole Leute zusammengekommen, um im nächsten halben Jahr mit viel Freude, Lachen und Elan eine feste Theatergruppe zu bilden und ihre Zuschauer mit einer genialen Inszenierung zu beglücken. Momentan steht das Team noch ganz am Anfang und es werden noch Mitspieler gesucht. Meldet euch!

Da ich jetzt wieder als Gruppenleitung gefordert bin, war es Zeit, im Blog das Persönlichkeitstypenmodell nach Riemann/Thomann vorzustellen, mit dem ich auch als Gruppenleiterin sehr gerne arbeite.
Wer das alles genauer wissen, ausprobieren und auch etwas über die gruppendynamischen Phasen lernen will, hat dafür am 28. Oktober im nächsten "The world´s a stage"-Workshop Gelegenheit, denn genau das ist das Thema: Gruppendynamik.


Herbstzeit ist Bühnenzeit
Endlich geht es auch für mich wieder auf die Bühne, im altbekannten, aber dafür umso lustigeren Hörspiel-Theaterstück "eins, zwei, drei". Meine drei Mitspieler und ich rocken am 05. November um 20 Uhr die Bühne im Kulturcafé Fincan in Berlin Neukölln.
Einen kleinen Vorgeschmack in Form eines Szenenausschnitts gibt es schon am 21. Oktober beim tollen Format "Theater à la carte" in der WerkStadt, ebenfalls in Neukölln. An dem Abend kann das Publikum aus einer Menükarte das Lieblingsprogramm zusammenstellen und einer der drei Gänge sind wir. Kommt vorbei!

Urlaub bedeutet Inspiration
Frisch aus Wien zurückgekommen, stehen neue Posts in den Startlöchern, z.B. zu den Themen Inspiration-Finden, Abschiednehmen und die Monthly Favourites. Und es ist ein ganz neuer Post zu Halloween geplant, ein Theater-DIY!

Weihnachten steht vor der Tür
Und somit auch der Advent und ein Adventskalender. Ich bin noch am Brainstormen für den Blog - lasst euch überraschen! :)

Montag, 17. Oktober 2016

Intuition - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der vierundzwanzigste Wert ist:

INTUITION

Wikipedia sagt:
Die Intuition oder die Empfindung, nach ahd. „in sich ('m') finden“, ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen. Intuition ist ein Teil kreativer Entwicklungen. Der die Entwicklung begleitende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition)
Die Intuition ... das ist eine schwierige Dame. Sie hat meistens sowas von Recht, aber trotzdem will oft niemand auf sie hören.

Ich bin ja ein eher sachorientierter Charakter (hallo Distanz! ;) ) und die Intuition und ich, wir sind bisher nicht so gute Freunde.
Doch seit einer Weile bemühe ich mich um eine Freundschaft mit ihr. Warum? Weil ich gemerkt habe, dass sie mir hilft, mich besser zu fühlen. Die Intuition hilft extrem beim Inneren Frieden. Sie schützt mich vor falschen Entscheidungen und ist ein guter Wegweiser.

Es ist nicht so leicht, auf sie zu hören, weil mein Kopf denkt, er müsse logische Entscheidungen treffen, die auf Fakten beruhen. Für und Wider muss abgewogen werden und daraus soll dann der genau folgerichtige Weg entstehen. Es kann gut sein, dass das zu einer logisch-sinnvollen Entscheidung führt. Aber ist die Entscheidung das, was ich wirklich will?
Ist es das, was mich glücklich macht? Muss eine für mich angenehme Entscheidung immer eine "sinnvolle" sein?

Es ist doch so: Jede Entscheidung ist sinnvoll, wenn sie mir hilft.
Wenn ich mich gut damit fühle, ist es die richtige Entscheidung.
Wenn ich mich schlecht damit fühle, ist es die falsche Entscheidung.
Eigentlich ist es doch so einfach. Aber wir müssen uns trauen, auf unsere Intuition zu hören. Und wir müssen zu dieser Entscheidung vor anderen stehen können.
Das schwierige ist: wir können den Grund für die Entscheidung nicht simpel erklären. Intuition hat einen schlechten Ruf. Sie gilt als gedankenlos, emotionsgetrieben (und Emotionen sind auch nicht allzu beliebt) und unlogisch. Unser Umfeld will uns ständig vor unüberlegten Entscheidungen schützen, also raten sie uns meist, auf Fakten statt auf unsere Intuition zu hören.
Das tut unser Umfeld sehr erfolgreich und es führt dazu, dass wir es irgendwann verlernen, unserer Intuition zu trauen, wir misstrauen ihr aktiv.
Unsere sowieso schon kritischen inneren Stimmen werden durch kritische Außenstimmen verstärkt. Und sich dagegen zu wehren, ist verdammt harte Arbeit.

Das einzige, das uns dabei hilft, ist unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen.
Bin ich mir genug wert, um auf mich achtzugeben? Bin ich mir genug wert, um auf meine Intuition zu hören? Vertraue ich meiner eigenen inneren Entscheidungskraft?

Diese innere Entscheidungskraft alias Intuition alias Bauchgefühl tut im Grunde genommen das gleiche wie mein Kopf. Nur soviel schneller (und oft besser), dass ich es gar nicht richtig realisiere. Ich verstehe es nicht, deshalb traue ich mich nicht, darauf zu hören. Aber egal ob Kopf oder Bauch: es werden Daten von außen aufgenommen und verarbeitet. Es ist keine Hexerei, sondern es sind simple Reaktionen und Verarbeitungsprozesse in unserem Körper.
Ob es für unseren Körper (und unsere Psyche gehört dazu) positiv oder negativ ist, spüren wir dann, es gibt eindeutige Signale.
Wir müssen nur genau hinhören.
Und dann den Mut haben, nachzugeben.

Ich trainier meine Intuition weiter. Macht ihr mit?

Adrian, der der Selbstbewusstsein Kongress organisierte, hat über Intuition auch gerade einen Blogartikel geschrieben und zeigt, wie sie einen vor falschen Entscheidungen warnen will. Schaut mal rein.

Schön ist dazu der Satz von Joseph Joubert:


Foto: "Leonce & Lena", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/vorspiel

Freitag, 7. Oktober 2016

Innerer Frieden - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der dreiundzwanzigste Wert ist:

INNERER FRIEDEN

Wikipedia sagt zumindest zu einem Wort:
Frieden (älterer Nominativ Friede, von althochdeutsch fridu „Schonung“, „Freundschaft“) ist allgemein definiert als ein heilsamer Zustand der Stille oder Ruhe, als die Abwesenheit von Störung oder Beunruhigung und besonders von Krieg. Frieden ist das Ergebnis der Tugend der „Friedfertigkeit“ und damit verbundener Friedensbemühungen. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frieden)
Frieden ist also ein heilsamer Zustand der Stille und Ruhe. Dann ist innerer Frieden ja genau das gleiche, nur eben in mir selbst.

Ein Zustand, der bei mir anscheinend bei der Geburt inklusive war. Zumindest teilweise. Ich war und bin schon immer tiefenentspannt und ruhig. Wut oder Aggression empfinde ich so gut wie nie, und wenn doch, dann verpufft dieser Schub wieder extrem schnell.
Beunruhigung und Stress kenne ich natürlich auch, sowie Trauer, Enttäuschung, Verletzung.
Aber ehrlich gesagt: ich mag keine negativen Gefühle.
Ich hatte immer das intuitive Bestreben, negative Gefühle schnellstmöglich loszuwerden. Das Doofe ist: sie gehören zum Leben. Ohne sie können wir positive Gefühle gar nicht empfinden - schließlich müssen wir ja Kontraste spüren können.
Dennoch sind unangenehme Gefühle ... nunja ... unangenehm. Und ich möchte, dass sie schnell aufhören.

Das geht nur, wenn ich sie zulasse. Also lebe ich die Gefühle aus, sobald sie da sind (sofern ich in dem Moment die Möglichkeit habe ... ansonsten wird es schnellstmöglich nachgeholt).
Man muss meist erst durch´s Tal der Tränen gehen, um wieder auf dem Trockenen anzukommen. Bei manchen Erlebnissen reicht ein kleiner Schauer, bei anderen ist es ein ganzer Sturm. Und manchmal ist es eine ganze Regenperiode mit kurzen Trockenphasen zwischendurch.
Aber genau das braucht es, um nach und nach wieder zurückzufinden zum inneren Frieden, zur Ausgeglichenheit.

Dieses Durchleben der Gefühle ist schwer. Der erste Drang ist, ein negatives Gefühl wegzudrücken, irgendwo zu verschließen. Wir wollen es nicht so genau sehen und wir wollen auch nicht, dass andere es sehen. Wir können uns nicht damit abfinden, dass wir dieses Gefühl haben. Wir sehen uns vielleicht als schwach, als unperfekt, als zu sensibel.
Aber die Krux ist ja: die anderen kriegen es sowieso mit. Sie spüren, dass es uns nicht gut geht, egal wie sehr wir das verstecken. Und uns selbst macht dieses Verhalten unglücklich und unausgeglichen. Je weniger wir unsere Gefühle beachten und je weniger wir sie ausleben, desto weiter entfernen wir uns vom inneren Frieden. Dann sind wir im Krieg mit uns selbst, bekämpfen unsere ureigensten Empfindungen. Das hat psychische Auswirkungen und unter Umständen auch physische.
Wenn wir uns einem Druck aussetzen, absurden Regeln, von denen wir glauben, dass ihre Erfüllung essentiell ist, verkennen wir das Grundlegendste:
Wir müssen gar nichts - außer Sterben.

Wir sind nur kurz auf dieser Welt, wir haben nur eine begrenzte Zeit - und die sollten wir genau so verbringen, wie es uns Freude macht.
Wir allein wissen, was uns gut tut, wir allein können sagen, was wir mögen und was wir ablehnen. Wir allein bestimmen, mit wem und mit was wir unsere Zeit verbringen möchten.
Um das zu können, müssen wir aufhören, gegen unsere eigenen Empfindungen zu kämpfen.

Wir müssen mit uns selbst die meiste Zeit unseres Lebens verbringen - im Frieden ist das deutlich einfacher als im Krieg.


Selma Lagerlöf hat es wunderbar formuliert:


Foto: "Ernst", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/vorspiel

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Interview mit der Künstlerin Yelka Marada


Yelka in ihrer Theaterperformance
Bereits im August stellte ich die Künstlerin Yelka Marada vor. Nun wurde es Zeit für ein Interview mit ihr, in dem sie über ihre Anfänge in der Schauspielerei und das Fernsehbusiness, über Schamanismus, die Lust am Schreiben und den Prozess des Malens spricht.


Du bist Schauspielerin, schreibst Lyrik, malst und bist Performance-Künstlerin. Wie bist du zu den einzelnen Gebieten gekommen?

Yelka Marada: Oh Gott! Also Lyrik habe ich schon immer geschrieben. Ich hab mit sechs Jahren schon gespielt Ich-werde-Schriftstellerin und hab immer Heftchen vollgeschmiert mit Geschichten, die ich geschrieben hab, kleine Bildchen gemalt und gedacht, ich werde mal große Bücher machen. Leider bis jetzt noch keins veröffentlicht - Hallo Verleger! (lacht).
Das erste, was ich als lyrisches Gedicht bezeichne, habe ich mit 14 Jahren im Latein-Unterricht unter der Schulbank geschrieben. Das war auch hochdramatisch: die Raben auf dem Feld und sterbende Bäume am Wegesrand und so weiter. Dafür hatte ich in Latein später eine 6, aber ich hatte mein erstes Lyrik-Gedicht.
Ich hab immer geschrieben, das hat mich auch am Leben gehalten. Während meiner Schauspielzeit hab ich bei einer antifaschistischen Zeitung geschrieben, die Stadtratte, gegen Faschismus, für Frauen - ich war im Frauen-Ressort. Und ich hab vor vielen Jahren über einen Fernlernkurs eine Autorenausbildung gemacht, wo es dann schon natürlich um Belletristik in erster Linie ging. Das hat mir sehr gut getan. Ich hab momentan einen Ordner voller Lyrik und Kurzgeschichten, was ich als Buch irgendwann herausbringen möchte. Ich hab ein satirisches, spirituelles Buch, was ich in der Kunstschule, in der ich gerade Kunst studiere, mit Illustrationen bearbeite. Und ich habe einen schamanischen Fantasyroman für Kinder geschrieben. Aber die Projekte ruhen immer mal wieder wegen der anderen Kunst.

Yelka während der Schauspielausbildung



Also Lyrik hast du schon als Kind angefangen und es war immer dein Thema. Wie kam dann dein Interesse für die Schauspielerei?


Eigentlich war es so, dass ich das erste Mal auf der Bühne stand, da war ich noch unter zehn, vor 200 Kindern in einem Ferienlager. Das war natürlich alles improvisiert und alle haben sich totgelacht, aber ich dachte "Wow!". Ich bin dann zu meiner Mutter hin und habe gesagt "Mama, ich möchte Schauspielerin werden!". Die hat das ganz anders aufgefasst und hatte Marilyn Monroe im Kopf und Brigitte Bardot (lacht) und hat gleich gedacht: aus der machen wir einen Filmstar. Das hatte gute und schlechte Seiten. Mit 12 Jahren habe ich das erste Mal gemodelt für Reklame und auch als Fotomodell. Man nannte mich "Kindfrau", weil ich immer sehr frühreif aussah. Ich hab dann erst Komparserie gemacht und bin dann mit 14 voll ins Filmgeschäft gekommen, habe bei Alf Brustellin einen Film gedreht - "Der Sturz" - da hab ich eine taubstumme Waldfee gespielt. Alf Brustellin war damals in diesem Autorenteam mit Schlöndorff und Fassbinder. Toller Regisseur, der leider zu früh gestorben ist.
Dann bin ich zu einer großen Agentur in München gekommen. Die waren richtig groß, da ging´s gleich für 1000 Mark Fotos machen, meine Mutter hat Kredite aufgenommen wegen der Fotos. Ich fand das erst mal alles ganz lustig und es kam gleich eine Dreharbeit nach der anderen, ich hatte immer kleine und mittelgroße Rollen, z.B. im Fernseh-Spielfilm "Die Nacht, in der der Chef geschlachtet wurde", das ursprünglich auch ein Theaterstück ist.
Ich war aber teilweise sehr überfordert von den Dreharbeiten.

Yelka auf der Bühne, während der Schauspielausbildung

Inwiefern?

Man muss sich das vorstellen, damals hatte man nicht so ein Jugendschutzgesetz wie heute. Ich hatte oft einen 15- bis 20-Stunden-Tag, von morgens bis nachts, ich wurde mit nichts beschützt - heutzutage sind ja Sozialarbeiter am Set, die auf die Jugendlichen aufpassen. Ich bin aus dem Gymnasium damals rausgeflogen und war jahrelang ohne Schulabschluss. Einerseits habe ich wahnsinnig viel Geld damals verdient, andererseits hat es sehr negative Seiten, wenn man als Jugendliche in so einen Businesskessel hineingeworfen wird.
Mit 16 sollte ich eigentlich eine Hauptrolle in einem Film spielen, habe mir in dem Zeitraum aber die Haare kurz geschnitten, denn ich hatte in London Punks kennengelernt, die fand ich cool. Mein Gott, ich war Jugendliche, ich hatte die Nase voll von diesem Business und dieser Schickeria, ich hatte keine Freunde mehr. Die Rolle habe ich nicht bekommen und die Agentur hat mich rausgeworfen.


Ging es dann noch weiter mit dem Schauspiel?

Dann begann ein ganz langer, anderer Weg, wo ich dann auch Hausbesetzerin war, was ich auch sehr schön finde. Ein ganz kunterbuntes Leben, hab sicher alles probiert.
Und dann bin ich mit Ende 20 auf die Schauspielschule, weil ich dann dachte: Nein, ich will Theater spielen, ich will wirklich Theaterschauspielerin werden, am besten bis hin zum Straßentheater. Ich hab Brecht über alles geliebt und ich hab Schiller geliebt. In der Schauspielschule fing ich einfach wieder an zu leben. Da habe ich erst mal begriffen, was Theater überhaupt heißt, wie nahe Theater geht, wie mich das wandelt, wie ich nicht nur in Rollen reinschlüpfe, sondern wie ich das bin. Meine erste große Rolle war dann die Elektra am Stadttheater Freising, das war schon cool, das waren 600 Leute im Publikum. Dann habe ich ganz viel Off-Theater gemacht und dann war ich zwei Jahre am Münchner Theater für Kinder angestellt. Ich hab dann gemerkt, ich will was anderes. War in einer Frauen-Kabarett-Gruppe, die hat sich aber zerstritten, wir haben nur geprobt, sind aber nie aufgetreten.
Dann bin ich nach ein paar privaten Umwegen nach Berlin gekommen und habe an der Kulturbrauerei Märchentheater für Kinder gemacht.

Yelka während ihrer Schauspielzeit

Das Kindertheater war also immer ein besonderes Steckenpferd, oder?

Ich mache gerne Kindertheater, weil Kinder ein wahnsinnig ehrliches Publikum sind. Wenn denen langweilig ist, sagen die "Mama, ich hab Hunger, ich will nach Hause." Und wenn die dich toll finden, sagen sie "Darf ich dein Kleid anfassen?" oder "Wie bist du geschminkt?". Ich habe viele positive Erfahrungen im Kindertheater gemacht.


Wie ging es dann weiter?

Ich hatte einen Unfall, durch den ich jetzt eine leichte Gehbehinderung habe, und konnte dann nicht mehr auf die professionelle Theaterbühne. Das war natürlich erst mal ein riesen Drama, in der Zeit habe ich auch mit Malen angefangen. Aber ich habe dann ein Theaterstück geschrieben - Hexenmamas Märchenküche - und hab das mit Schauspielerschülern von der Filmschauspielschule im Berliner Tschechow-Theater inszeniert.
Da habe ich auch ein Buch geschrieben, über die Praxis des Kindertheaters - von der ersten Theateridee bis zur Aufführung - und habe sehr gute Kritiken von Verlagen bekommen, aber es passte nie in deren Repertoire. Noch einmal: hallo Verleger!


Du hast eben schon erwähnt, dass du in dem Zeitraum mit dem Malen begonnen hast. Wie kam es dazu?

Durch den Unfall musste ich anderthalb Jahre am Stock laufen und eine Rückenstütze tragen, es war echt die Hölle. Ich hab mich aufgegeben. Dann hat mir eine Freundin eine Leinwand geschenkt - in meinem Freundeskreis waren immer Künstler - und ich habe angefangen, Collagen zu machen, mit Acryl.
Yelkas Kunst
So habe ich Geschmack gefunden am Malen. Frida Kahlo war mein Idol, weil es mich so beeindruckt hat, wie sie diesen Gips um ihren Körper hatte und trotzdem gemalt hat. Ich hab mir dann eine Leinwand nach der anderen geholt und gemalt, immer Collagen, anfangs noch mit Lyrik, bis Künstlerfreunde sagten, das brauche ich nicht, man muss ein Bild nicht verstehen.
Dann hatte ich eine heftige Liebesgeschichte mit einem Künstler und bin in eine Art Konkurrenz mit ihm gegangen, ich musste ihm zeigen, was für eine tolle Künstlerin ich bin. Aber das Schauspiel hatte ich ja nicht mehr und die Bücher waren nicht veröffentlicht, das war so schlimm für mich. Also fing ich an, mehr zu malen und immer mehr bis ich eine Künstlermappe hatte und eine Künstlergruppe besuchte.
Als die Beziehung dann sehr schmerzhaft endete, dachte ich: entweder bring ich mich jetzt um oder ich werde totale Künstlerin. Ich habe dann im Internet eine Kunstschule gefunden und dort angerufen und wurde sofort zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und die waren so nett und haben sich meine Mappe angeschaut und gesagt: "Technik kann man lernen.". Ich hab das anfangs gar nicht verstanden, jetzt weiß ich es. Die haben schon irgendwas gesehen in meinen Bildern.
Ich bin jetzt zwar noch ganz am Anfang, aber ich merke: die Leinwand ist für mich auch eine Bühne. Das bin ich. Wenn ich male, dann komme ich in einen Flow, in Meditation.


Lyrik, Schauspiel, Malerei - und jetzt Performance. Wie bist du dazu gekommen?

Ich wollte immer mit meiner Lyrik nach außen gehen, aber mein Buch-Manuskript ist noch nicht fertig, Ich wollte die Texte auch nicht einfach nur im Internet veröffentlichen. Und ich habe gemerkt, dass mir trotzdem natürlich die Theaterbühne fehlt. Dann hab ich das für mich entwickelt, dass ich meine Lyrik irgendwie mit Theater darstellen will und hätte das auch noch gar nicht Performance genannt. Ich wollte es auch mit anderen Theaterszenen verbinden, weil ich dachte, meine Texte allein reichen nicht. Dann habe ich dich bei einem deiner MeetUps kennengelernt und da ist die Idee für die Performance entstanden.

Yelkas Performance
Da ich auch viel in der Kunstwelt unterwegs bin, habe ich mittlerweile schon einige Performance-Künstler gesehen und war teilweise wahnsinnig begeistert, auch wie sie teilweise ohne Sprache performt haben. Allerdings gehört zu meinen Performances die Sprache dazu, ich komme ja von der Sprache, der Lyrik und vom Theater. Ich möchte alles verbinden: das Malen, das Schreiben, das Schamanische und das Theater.

Yelkas Performance

Kannst du zum Thema Schamanismus mehr erzählen?

Im Schamanismus gibt es ganz verschiedene Richtungen, teilweise das keltische, teilweise das indianische. Wobei man mittlerweile eigentlich First Nations oder Native Americans sagt statt "Indianer". Letzteres ist nicht richtig, auch wenn ich es trotzdem noch benutze.
Ich bin schamanische Zeremonie-Leiterin und habe von einem Medizinmann der Blackfoot gelernt. Es geht darum, sich mit den anderen Ebenen des Seins zu verbinden, auch Spirits genannt.
Es geht um Energien, hat aber nichts mit der Esoterik-Szene zu tun. Genauer gesagt geht es darum, sich mit der Natur zu verbinden, denn Mutter Erde ist ein Lebewesen.
Im Schamanismus hat alles eine Seele: Steine, Tiere, Pflanzen, Menschen - alles lebt. Man geht sehr bewusst damit um und kann teilweise auch mit den Seelen sprechen. Aber das ist tiefste Meditation und wenn man den Weg authentisch geht, dauert es Jahrzehnte bis man dahin kommt. Im Endeffekt ist es Meditation mit der Erde. Wir sind alle Kinder der Erde und die Bäume sind unsere Ahnen. Das kann man als Metapher sehen - oder auch ganz direkt.
Über die Umweltverschmutzung muss ich gar nichts weiter sagen, wir wissen es alle. Mutter Erde blutet im Moment, das kann jeder sehen, der hinschaut. Und das ist auch der Grund, warum viele Schamanen, Medizinfrauen und Medizinmänner, jetzt in die westliche Kultur kommen und auch hier Leute ausbilden.


Wie war dein schamanischer Weg? Wie hast du Schamanismus für dich entdeckt?

Ich glaube, ich bin da schon gerufen worden als ich ganz klein war. Mein Großonkel war mit einer traditionellen Indianerin verheiratet, um 1916 ist er nach Amerika rübergegangen und hat dort auch in einem Reservat gelebt, wo er nach 30 Jahren von Weißen erschossen wurde. Und nein, ich habe kein indianisches Blut in mir, aber ich achte die Native Americans sehr.
Meine Großmutter war eher auf dem keltisch-schamanischen Weg. Sie hat in einer Art Datsche am Waldrand gelebt und mich nachts mitgenommen, um Kräuter und Nachtschattengewächse zu sammeln. Ich erinnere mich daran, dass Rehe zu ihr kamen, an Vollmond, wie sie mit mir kleine Hexenlieder gesungen hat. Da war ich noch ganz klein.

Mit 20 Jahren war ich das erste Mal in einer Schwitzhütte, das ist eine traditionell-indianische Heilungszeremonie, und habe bei Devalon Small Legs gelernt. Dann war ich in der Frauenbewegung aktiv und habe angefangen mich für matriarchalen Kult zu interessen. Da bin ich in Frauenkreisen zur Hagazussa geweiht worden.
Später war ich auch in Osho-Kreisen unterwegs und bin durch Indien gereist. Ich war dort 6 Monate krank und lag 4 Tage im Sterben. Ich habe dort eine Ewigkeit gesehen. Sterben ist grausam, Sterben tut weh, aber ich weiß jetzt, es gibt da eine Ewigkeit. Es gibt da eine Energie, etwas, das immer da ist. Sie ist auch jetzt da, wir können es nur nicht wahrnehmen. Seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem Tod. Vor dem Sterben ja, das tut weh, aber nicht vor dem Tod. Weil ich weiß, dass ich ewig bin und mich mit allem verbinden kann. Und das ist der Schamanismus - sich total auflösen und mit allem verbinden.
Als ich da so sterbenskrank war, bin ich von meinem damaligen Freund, der auch zu einem Viertel Apache ist, zu einem Medizinmann gebracht worden. Viele Schamanen gehen durch die Krankheit, mit Nahtoderfahrungen und er meinte zu mir: Wow, du musst Medizinfrau werden! Und ich dachte: Um Gottes Willen! Ich wusste, was das für eine schwere Aufgabe ist. Dann wurde ich sieben Jahre ausgebildet in Sonnentanz-Kreisen, vom Medizinmann Devalon Small Legs, und musste viele schamanische Prüfungen in der Wildnis in Slowenien und Ungarn bestehen, bis ich meinen spirituellen schamanischen Namen und die Zeremonien bekam. Viele Leute denken, der schamanische Weg wäre einfach nur Spaß. Aber es ist ein schwerer Weg, wo du immer mit deiner eigenen Angst konfrontiert wirst.
Ich bin nachts wilden Wölfen begegenet. Sie sind um mein Lager geschlichen, in dem ich ganz alleine war. So ein tolles Erlebnis vergisst man nie mehr.

Im Moment gebe ich keine Sessions oder Zeremonien, weil die Kunst so stark ist. Es verbindet sich miteinander und ich weiß auch, dass ich wieder gerufen werde, wenn die ganzen Naturkatastrophen kommen.
Das wichtigste ist: das zu tun, was dir wichtig ist. Nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern sich denen zu öffnen, die dir wichtig sind. Die ganzen Kleinkriege, Karriere und Geld - das ist alles unwichtig!
Yelkas Kunst


Welchen Einfluss hat der Schamanismus auf deine Kunst?

Einen sehr unbewussten Einfluss. Ich bin das einfach, ich lebe das und ich male meist Frauen in träumenden Zuständen, das ist mein Inneres. Aber diese verträumten Frauen, die ich male, haben immer ein Leid hinter sich. Sie wachsen daraus. Wenn ich selbst ein gutes Gefühl habe, dann kann ich das auch anderen geben und möchte, dass das auch meine Bilder ausstrahlen. Und ich freue mich, wenn es jemanden erreicht.


Du eröffnest ja bald deine erste Ausstellung. Wann und wo ist sie?

Die ist im Affidamento, einem Frauenzentrum in Neukölln, am Richardplatz. Am 25. Oktober um 19 Uhr ist die Vernissage, mit einer Performance von mir um 20 Uhr. Es gibt einen Sektempfang und man kann meine Bilder anschauen, die ich gemalt habe. Zur Vernissage kann jeder kommen.
Am 26. und 27. Oktober ist dann nur für Frauen geöffnet, da es ja in einem Frauenzentrum ist. Am 26. gibt es um 15 Uhr eine Lesung von mir. Ich freue mich auf euch!


Danke, liebe Yelka, für das Interview und den Einblick in deine Kunst. Ich freue mich auf die Vernissage!

Montag, 3. Oktober 2016

Status - Was ist das?





Zwei Menschen kommen auf der Straße aufeinander zu. Einer muss ausweichen ...


Im August entschied ich mich, meinen beruflichen Fokus stärker auf´s Status-Training zu richten. Und sobald ich jemandem sage, dass ich Status-Trainerin bin, kommt die Frage: "Status, was ist das?" 
Wo könnte man die Frage schöner beantworten als in einem Blogbeitrag?!
Also gibt es heute eine kurze Einführung in den Begriff "Status".


Was ist Status?
Wir Menschen haben alle eine Vorstellung im Kopf, wenn wir den Begriff Status hören. Diese Vorstellung ist in der Regel mit dem gesellschaftlichen Status einer Person verbunden. Der gesellschaftliche Status wird stark durch den Beruf und die berufliche Position eines Menschen definiert. Ein CEO eines StartUps hat also einen höheren Status als ein Handwerker. Der Handwerker wiederum hat aber einen höheren Status als eine Hausfrau. Der Status wird unterstützt durch zusätzliche Merkmale, die wir dieser Position zuschreiben: Kleidung, Fortbewegungsmittel, Hobbies usw.
All diese Elemente helfen uns, den Status einer Person schnell festzustellen. Aber warum ist uns das so wichtig? Weil wir wissen wollen, wer der Stärkere ist. Wir wollen wissen, wer mehr Macht hat.
Und hier wird es spannend: all diese Symbole wie Kleidung und Beruf definieren das Bild, das wir von einem bestimmten Status haben. Dennoch kann sich der Status, den wir einer Person aufgrund ihres Äußeren oder dem, was wir über sie wissen, sofort verändern, wenn das Verhalten nicht diesem äußeren Bild entspricht.
Zu unserer Status-Wahrnehmung gehört also noch mehr. Wir achten auf Mimik, Gestik, Bewegung, Körperhaltung, Wortwahl und Tonfall des Gegenübers. Und diese Elemente wirken unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild.
Wären wir alle nackt, könnten wir anhand dieser Beobachtungen trotzdem in Sekundenschnelle festlegen, wer einen hohen und wer einen niedrigen Status hat.

Dadurch, dass wir den Begriff "Status" oft mit Äußerlichkeiten und weniger mit Verhalten verbinden, wirkt es meist irritierend, wenn ich von Status-Training spreche.
Eigentlich kann man das Verhalten am besten mit Dominanz und Unterwerfung beschreiben, doch diese Begriffe sind in unserem Sprachraum recht negativ geprägt.
Keith Johnstone, der Begründer des modernen Improvisationstheaters, hat für dieses Machtverhalten den Begriff "Status" geprägt und er ist sehr passend, denn Menschen verbinden intuitiv bestimmte Verhaltensweisen mit dem Wort.
Johnstone war in den 60ern Schauspiellehrer und wollte auf der Bühne eine realistischere Kommunikation darstellen. Er analysierte, wie genau wir uns einem Kommunikationspartner gegenüber verhalten und fand heraus, dass unsere Erscheinung, Körperhaltung, Gestik, Mimik und Stimme uns mal mehr, mal weniger Macht geben.
Mal sind wir oben, mal sind wir unten, also mal im Hoch- und mal im Tiefstatus. Dieses Machtgefälle funktioniert unabhängig vom gesellschaftlichen Status und wird jeden Tag von uns in unterschiedlichsten Varianten erlebt - mal bewusst, mal unbewusst, mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen und Fremden. Mit jeder Person, der wir begegnen, verhandeln wir ständig den Status neu aus.

Status ist also nicht statisch, im Gegenteil: er wechselt ständig - von Satz zu Satz, von Geste zu Geste, von Blick zu Blick.

Unsere Haltung zeigt sich stets in einem nach außen gezeigten Status und wirkt zusammen mit unserem inneren Status, unserem Selbstwert. So spielen äußerer und innerer Status zusammen und beeinflussen unsere Wirkung beim Gegenüber.
Im Gegensatz zu unserem gesellschaftlichen Status, der durch unsere Lebensumstände geprägt und oft relativ feststehend ist, haben wir den Vorteil, dass wir den Verhaltens-Status jederzeit ändern, damit spielen und auf diese Weise authentischer, offener und selbstbewusster mit anderen umgehen können.
Je flexibler wir in unserem Status-Verhalten sind, desto einfacher wird unsere Kommunikation und desto unnötiger werden Status-"Kämpfe" oder Machtspielchen.


Können wir Status-Verhalten lernen?
Status-Verhalten ist keine Methode, die wir erlernen können. Wir können es bereits, es gehört zu unserer Persönlichkeit. Allerdings ist uns dieses Können nur selten bewusst.
Wir können aber ein Bewusstsein schaffen, Status-Verhalten wahrzunehmen, zu beobachten und den eigenen Handlungspielraum zu erweitern.
Für eine entspanntere, leichtere und zielführendere Kommunikation und ein gesteigertes Selbstwertgefühl.


Foto: "Meister und Margarita", Theatergruppe Vorspiel: http://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel