Montag, 23. Mai 2016

3 Dinge, die ich vom Theater für´s Leben lernte - "Body"-Issue


























In der letzten Woche ging es um Kopf-"Sachen", die ich vom Theater gelernt habe, dieses Mal widmen wir uns dem Körper. Hier also drei wichtige Aspekte, die ich in Bezug auf meinen (und andere!) Körper gelernt habe:


1. Adrenalin rules!

Theaterspielen kann sehr anstrengend sein. Man steht unter großem Druck, ist im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, oft ist es mit viel Bewegung verbunden. Bei den Proben hat man oft das Gefühl, an die eigenen Leistungsgrenzen zu kommen, nicht selten stellt man fest: "Das schaffe ich auf der Bühne nicht, das ist zu anstrengend, ich bin jedesmal völlig aus der Puste". Aber es gibt ein Zaubermittel, das selbst die unsportlichsten Menschen (also mich ;)) beflügelt: Adrenalin!
Ich bin ein sehr ruhiger Mensch, produziere generell vermutlich eher wenig Adrenalin, mein Temperament geht manchmal Richtung lethargisch. Aber die Bühnensituation oder die Aufregung vor einem Workshop produziert soviel (positiven) Stress, dass alles viel einfacher läuft als gedacht. Man ist wacher, fitter, hat mehr Ausstrahlung und Ausdauer.

Was unser Körper da leistet, ist wirklich beachtlich. Chapeau!


2. Unterschiede sind super!

Wir Menschen neigen ja zum Vergleichen, besonders, was unsere Körper angeht. Denn die sind das erste und offensichtlichste, was wir von unserem Gegenüber bemerken. Und wenn eine andere Person in ein Kostüm passt und ich nicht, dann ist das im ersten Moment vielleicht deprimierend. Aber genau diese Unterschiede brauchen wir auf dieser Welt! Wir brauchen unterschiedliche Menschen, die unterschiedlich aussehen, dicke und dünne, große und kleine. Beim Theater ist mir das besonders bewusst geworden. Denn wenn auf der Bühne alle gleich aussehen würden, wäre der ganze Zauber dahin. Um eine Geschichte realistisch zu verkörpern, brauche ich in der Regel möglichst unterschiedliche Menschen - denn in der Realität ist es genauso.
Und anstatt zu jammern, dass der Po im Kostüm zu ausladend aussieht, sollten wir feiern, dass er so groß ist und perfekt zur Rolle passt.

Es ist doch wunderbar, dass man anders aussieht als andere, dass man Alleinstellungsmerkmale hat, die einen als Individuum ausmachen.


3. Mut zur Hässlichkeit

Nicht nur, dass wir gern in der Masse untergehen wollen, wir wollen auch möglichst attraktiv sein. Das ist ganz natürlich, wir Menschen streben immer nach Schönheit (nicht zuletzt aus Fortpflanzungsgründen).
Aber es kann auch zu einem Wahn werden und das Selbstvertrauen schwächen, wenn wir immer nur darauf fixiert sind, möglichst hübsch auszusehen. Das Theaterspielen hilft sehr, diesen Wunsch abzulegen, denn viele Rollen erfordern, dass du eben nicht hübsch, sondern im Gegenteil sehr unattraktiv bist. Manchmal sollst du nicht jung, sondern uralt aussehen, manchmal sollst du in deiner Rolle Grimassen ziehen oder abstoßende Angewohnheiten haben. Aber erst wenn die Scham abgelegt und das "Hässlich"-Sein zelebriert wird, erwacht solch eine Rolle zu wahrem Leben. Und das Publikum wird dich lieben. Nicht weil die Rolle schön, sondern weil sie authentisch ist.

Das Streben nach Attraktivität ist in uns, aber das Theater hat mir geholfen, lockerer zu werden und nach und nach mehr Selbstvertrauen aufzubauen.



Foto aus "Weiße Katze": https://www.facebook.com/weissekatzetheater

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