Freitag, 20. Oktober 2017

#freitagsgedanken – "Wunder" der Natur


"Wunder" der Natur

Am Sonntag verschafften wir uns noch ein bißchen Extraurlaub, da der eigentliche Wien-Urlaub nicht ganz den erhofften Effekt hatte.
Wir waren für einen Tag an der Ostsee, fuhren mit der Fähre auf eine kleine Landzunge mit Yachthafen und passenden Yachtbesitzerwohnungen in einer Art "Gated Community". Direkt daneben gab es einen kleinen, ganz puren, ruhigen Strand, mit wunderschönem Dünen-Wald-Streifen dahinter.

Als wir mit er Fähre wieder zurück Richtung Festland setzten, schaute ich auf die großen Transporter, auf die Segelschiffe und die verschiedenen Fähren, dreht mich um und sagte zu meinem Mann, dass mich wundert, warum Werke der Menschen nie als Wunder der Natur bezeichnet werden.

Ab dem Moment, in dem ich lernte, dass der Mensch zu den Säugetieren gehört, war meine Verwunderung darüber groß, dass der Mensch sich anscheinend als nicht zur Natur gehörig empfindet. Der Begriff "Natur" wird meist im Gegensatz zum Menschen verwendet. Als wäre der Mensch ein künstliches und kein natürliches Wesen.
Wenn dann der Mensch in "die Natur" geht, bestaunt er, was "diese Natur" alles so erschafft. Dabei ist er selbst ein Teil dieser Natur, dabei erschafft er selbst wunderbare Dinge.

Dokumentationen, die faszinierende Tiere und ihre Verhaltensweisen und Lebensräume zeigen, haben oft die Worte "Wunder der Natur" im Titel. Das irritiert mich, da es einen Widerspruch in sich darstellt. Eine Dokumentation hat immer eine Art wissenschaftlich-objektiv-beobachtenden Charakter. Die Phänomene, die in Dokumentationen gezeigt werden, werden dort in der Regel auch wissenschaftlich erklärt.
Wenn ich auf Wikipedia die Definition von "Wunder" anschaue, finde ich folgendes:
Als Wunder (griechisch θαῦμα thauma) gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst.
Aber es wird doch erklärt. Es ist doch untersucht worden, um eine Erklärung zu finden. Wieso ist dann von einem "Wunder" die Rede?

Wenn Vögel aufwendige Nester bauen, wenn  Spinnen riesige Netze knüpfen, wenn Vogelschwärme in perfekten Konstellationen fliegen und Pflanzen auf den trockendsten Böden sprießen, wird von "Wundern" gesprochen.
Wenn Menschen Schiffe, Flugzeuge, Raumstationen und architektonische Meisterwerke bauen, wenn sie Symphonien komponieren und im Orchester spielen, wenn sie neue Kunstformen ausprobieren, wissenschaftliche Untersuchungen anstellen, Demokratie entwickeln – dann spricht niemand von einem "Wunder".

Wir Menschen machen viel Scheiß. Wir machen aber auch viel Schönes und Bewundernswertes. Genauso wie die anderen Tiere auf diesem Planeten auch.
Ein einzelner Marienkäfer auf einem taubesetzten Grashalm ist nur deshalb so schön, weil er in dem Moment gerade nicht in riesigen Schwärmen als Plage über die Nordseestrände herfällt.

Ich sehe die Welt und all ihre Bewohner nicht als Wunder. Zuviel wurde schon erforscht, zuviel wissen wir schon darüber, wie wir entstanden sind. Dennoch fasziniert mich diese Entwicklung. Ich betrachte sie mal mit Erstaunen, mal mit Erschrecken, aber die meiste Zeit mit Neugierde.

Neugierde darauf, wie sich diese Erde weiter entwickeln wird, was mit der Tier- und Pflanzenwelt passiert.
Und es ist ein beruhigender Gedanke, doch einfach nur ein Teil dieser Natur zu sein.









Freitag, 13. Oktober 2017

#freitagsgedanken – Was ist Theater?


Was ist Theater?

Wenn ein neuer Gruppendrang-Kurs startet, kommen Menschen zusammen, die Theater spielen wollen. Einige haben schon Erfahrungen gemacht, andere noch nicht. Aber jeder, der schon Theatererfahrung hat, hat andere Erfahrungen als die anderen.
Diese Erfahrungen prägen auch stets unsere Erwartungen. Entweder fanden wir die Erfahrungen nicht so gut und erwarten uns etwas Neues. Oder wir mochten die Erfahrungen und möchten genau so etwas noch einmal haben.

Nun sitzen diese Menschen zusammen und brainstormen, was sie gemeinsam für eine Inszenierung auf die Beine stellen könnten. Und beim Brainstormen zeigen sich dann nach und nach die Unterschiede in den Erwartungen.
Mein neuer Kurs wurde am Anfang quasi überrannt und dünnt sich nun nach und nach ein bißchen aus.
Das ist ganz natürlich und passiert jedes Mal, aber es ist gleichzeitig immer auch schade. Es ist für alle Seiten stets ein bißchen ernüchternd. Wie der Montagmorgen nach einem Partywochenende.

Je mehr man miteinander spricht, desto schneller erkennt man, ob man gemeinsam in eine Richtung marschiert. Manchmal ist das nicht der Fall. Dann muss man für sich entscheiden, ob man spontan in die andere Richtung mitmarschieren oder lieber umkehren oder sich einen eigenen Weg suchen will.

Mitte dieser Woche telefonierte ich mit einer Teilnehmerin meines Kurses, die auch wie ich theaterpädagogische Erfahrung und schon sehr viel mit anderen Menschen inszeniert und gespielt hat. Sie will kein Stück eines anderen Autoren spielen, im Kreis sitzen und Inszenierungsideen diskutieren. Sie will Aktion, Bewegung, Improvisation und die daraus entstehenden ganz eigenen Geschichten der Teilnehmer auf die Bühne bringen. Für sie ist genau das Theater. Und das finde ich wunderbar! Sie hat Recht, das ist Theater.

Für mich aber kann beides Theater sein. Für mich ist beides Theater.

Heute erreichte mich die eMail einer anderen Teilnehmerin, die doch lieber in Richtung Tanztheater gehen möchte. Auch das finde ich toll, kann ich aber selbst leider mangels Erfahrung nicht bieten. Aber auch das ist für mich Theater.

Dennoch hadere ich damit, einen Satz mit "Für mich ist Theater ..." zu beginnen. Denn Theater ist ein so unglaublich allgemeiner Begriff, dass alle möglichen Formen der Darstellung auf der Bühne mit hineingezählt werden können: Sprechtheater, Improvisation, Tanz, Gesang, Pantomime, Varieté, Revue, Schwank, Regietheater, Playbacktheater, Onlinebühnen, Figurentheater, Objekttheater, Drag ... die Liste ist lang und wird noch länger werden.

Während meiner Ausbildung zur Theaterpädagogin leitete ich nebenbei mit meiner Kollegin unsere Freizeittheatergruppe. Wir machten klassisches Amateurtheater, das halbwegs textgetreu Stücke fremder Autoren inszenierte. Und wir haben es geliebt!
Unsere Dozenten waren nicht immer so begeistert davon. Sie erzählten in der Ausbildung kopfschüttelnd, dass Schüler immer Textauswendiglernen und Rollenverteilung erwarten, wenn von Theater die Rede ist. Dabei sei das doch kein Theater. Es sei doch deprimierend, dass das die einzige Vorstellung sei, die die Schüler von Theater haben.
Ich fand das nicht deprimierend, sondern ganz natürlich. Die Schüler haben doch Recht: das ist Theater.

Theater hat keine enge Definition, sondern eine ganz weite.
Genau deshalb habe ich für mich keine bestimmte Antwort auf die Frage "Was ist für dich Theater?". Ich will keine Definition für mich aufstellen und damit so vieles ausklammern.
In einer Welt, die ich mir voller Vielfalt und absolut gleichberechtigt wünsche, möchte ich für mich diese Definitionen meiden. Ich sage nicht mehr "Das ist für mich eine Frau." oder "Das ist für mich ein Mann." Und eben auch nicht "Das ist für mich Theater."


Wenn ihr jedoch wissen wollt, was ich zur Zeit für Theater mache – dann fragt mich gern. Oder schaut es euch einfach an.







Freitag, 6. Oktober 2017

#freitagsgedanken – Urlaub ... oder nicht?



Urlaub ... oder nicht?

Es war letzte Woche Zeit für unseren Jahresurlaub. Der besteht normalerweise jedes Jahr aus einer Woche in Wien. Im Herbst. Inklusive Besuch des Konzertes „Hollywood in Vienna“, bei dem jedes Jahr ein anderer Filmkomponist für sein Lebenswerk geehrt wird.
Wir lieben diesen Urlaub, mein Mann und ich. Wien ist schon eine Art zweites Zuhause geworden und das Konzert verwandelt uns jedes Mal in schick gekleidete Heulsusen. Wunderbar, so soll es sein.

Dieses Jahr haben wir zwei kleine Katzen, die uns schon sehr ans Herz gewachsen sind. Wir waren etwas nervös in den Wochen und Monaten vorher, wie wir die beiden am besten versorgen, wenn wir nicht da sind. Klar war: wir werden keine ganze Woche fahren, sondern nur vier Tage. Mit der Betreuung ging es hin und her, aber letztendlich fand sich die perfekte Lösung: mein Bruder wohnte in der Zeit in unserer Wohnung.

Nun hätten wir die vier Tage voll genießen können. Aber irgendwie waren wir nicht so ganz da. In unserem schönen Wien. Wir haben schöne Dinge gemacht, keine Frage, wir waren in der Stadt unterwegs, haben die Sonne und das warme Wetter genossen.
Das Konzert war wirklich toll, aber es zog an uns vorbei. Wie in Watte gepackt saßen wir da, den ganzen Urlaub. Und stellten danach fest: so richtig Urlaub war es nicht.

Es waren viele Kleinigkeiten, die zusammenkamen, die uns nicht richtig abschalten ließen. Aber der Hauptfaktor war ganz einfach Stress. Die Wochen vorher waren vollgepackt mit Terminen: Networking, Aufführungen, mein leidiger Arztbesuch, die Kastration unseres Katers, Theaterbesuche und der Start meines neuen Gruppendrang-Kurses.
Um ein bißchen abschalten zu können, habe ich in Wien Facebookpause gemacht. Ich wollte aber trotzdem per Mail und WhatsApp erreichbar sein – wegen der Proben, die ohne mich stattfanden, wegen des neuen Kurses und wegen der Katzen, natürlich.

Und das war die Krux. Normalerweise mache ich im Urlaub komplette Online-Pause: keine Mails, kein Facebook und optimalerweise kein WhatsApp. Für niemanden erreichbar, außer in Notfällen.
Hatte bisher gut funktioniert, letztes Jahr in Wien habe ich aber damit gebrochen, denn es gab einen Notfall. Mein Opa starb an meinem dritten Urlaubstag. Der letztjährige Wienurlaub ist mir dadurch umso intensiver im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich an viele Tränen – auf dem Dach des Haus des Meeres, im Naturkundemuseum, in der Ferienwohnung. Es war ein gefühlsintensiver Urlaub mit vielen Erlebnissen. Mit vielen Zeichnungen.

Doch dieses Jahr war ich im Kopf zu sehr in Berlin. Ich habe mit Freunden gechattet, mit meinem Bruder, ich habe Mails beanwortet. Durch die Termine in den Wochen davor, wurde ich am Wochenende vor der Reise krank und habe mich erst dort so richtig auskuriert.

Immerhin: ich habe endlich wieder mit meiner analogen Kamera und Schwarz-Weiß-Film fotografiert. Jetzt warte ich ganz aufgeregt auf die entwickelten Fotos.

Notiz für´s nächste Jahr: Urlaub vor dem Urlaub! Wenig Termine, viel Zeit und Entspannung, um mich auf den Urlaub in Ruhe vorzubereiten. Eine Woche statt vier Tage. Und dann: alle Kommunikationskanäle aus.








Mittwoch, 4. Oktober 2017

Recap/Preview #8



Der Herbst ist da! Zeit für Recap #8!


Gruppendrang statt Gruppenzwang
Der beliebte Gruppendrang-Kurs geht in die vierte Runde. Bis jetzt ist ein lustiges Team aus 13 ganz eigenen und engagierten Persönlichkeiten zusammengekommen, das nun gemeinsam in den nächsten Monaten ein Stück inszeniert und im Frühjahr auf die Bühne bringt. Ihr könnt gespannt sein!


Praktisches Netzwerken
... fand beim NewWorkCamp statt. Einen Tag lang sprachen alle Teilnehmer in selbstorganisierten Sessions darüber, wie sich die Arbeitswelt ändert und welche Werte uns in Zukunft wichtig sind.

Weiter geht es in der Gründerwoche mit "Ich so: Och bitte! Die andern so: Nö", einem meiner Workshopklassiker über die Persönlichkeitstypen des Riemann-Thomann-Modells. Zwei Stunden lang lernt ihr die Persönlichkeitstypen kennen, probiert sie aus und erfahrt, wie ihr auf andere Typen eingehen könnt.
Nebenbei lernt ihr bestimmt interessante Leute kennen. Und das ganze für umme! Im Meeet Mitte: Klick!


Endspurt ...
... bei den Spielschauern! Sie stehen in den Startlöchern für ihre Premiere von Kästners "Die Schule der Diktatoren".
Bildergalerien und Videos gibt es hier: Spielschauer auf Facebook

Auch der nächste Status-Workshop "Machtspielchen" rückt immer näher! Wenn ihr dabei sein wollt, schreibt mir, es sind noch Plätze frei.

Facebook? Was ist das?
Eine halbe Woche habe ich Facebookpause gemacht und es war gar nicht so einfach wie ich dachte. Aber: ich habe es geschafft! Tschacka!
Mein Tipp für alle, die es ebenfalls mal eine kleine Pause wollen: die Facebook-App auf dem Handy in einen Ordner verschieben, so dass sie nicht präsent auf dem Startbildschirm ist. So wird sie auch nicht automatisch angeklickt – aus Langeweile etc.
Die ganz harten machen komplette Online-Pause. Aber man muss ja noch Ziele haben.


Wie ein Tagebuch
... ist meine neue Kategorie #freitagsgedanken. Darin schreibe ich wild und frei über alles, was mir innerhalb der letzten Woche durch den Kopf ging. Schaut mal rein: #freitagsgedanken

Freitag, 22. September 2017

#freitagsgedanken – Das ist halt so.



Das ist halt so.

Als ich in der letzten Woche meiner Freundin von der Situation bei der Ärztin berichtete (ihr erinnert euch ...), da schrieb sie mir: "Wie du es selbst sagen würdest, Sarah: ist halt so."

Diese Woche habe ich öfter darüber nachgedacht. Wir sind alle so verschieden, mit unserer ganz eigenen Geschichte, unseren ganz eigenen Ängsten. Wir können reflektieren und eigene Probleme in Angriff nehmen. Zumindest klingt das so einfach in dem Selbstoptimierungswahn, der einen schnell packen kann, wenn man sich in den sozialen Medien umsieht.

Aber ganz ehrlich: wenn mich etwas an mir nicht stört, dann will ich es auch nicht ändern. Ich will einfach nur machen, was mir Freude macht.
Das braucht natürlich Selbstvertrauen. Hat ja auch nicht jeder. Und wer hat es denn schon immer und zu hundert Prozent? Ich nicht. Dennoch habe ich vermutlich mehr Selbstvertrauen als einige andere. Da hab ich Glück gehabt. Hätte ja auch anders laufen können. Den Rest erarbeite ich mir nach und nach. Warum? Weil ICH das gern will. Weil ich ein Idealbild habe, das sehr nah an Howard Roark aus "The Fountainhead" herankommt.
Dafür musste ich erstmal lernen, dass Dinge, die einem andere sagen, nicht automatisch weiterhelfen. Im Gegenteil. Oft sind sie einfach nur einschränkend.

Schon während meiner Ausbildung habe ich angefangen, im Theaterbereich selbständig zu arbeiten. Die Ausbildung zur Theaterpädagogin ging mit Unterbrechung insgesamt 4 Jahre. Im ersten Jahr habe ich schon meine erste Gruppe gegründet und die ersten Workshops gehalten. Warum? Weil ich meinen Kolleginnen voraus sein wollte, wenn wir alle fertig sind. Und weil ich am besten lerne, wenn ich etwas tue. Es einfach ausprobiere. Try and Error.
Ich erinnere mich, dass eine meiner Kommilitoninnen während einer Intensivwoche im Gespräch gesagt hat, dass sie es nicht gut findet, dass ich schon in dem Bereich arbeite, obwohl die Ausbildung noch gar nicht zu Ende ist.
Mich hat das natürlich angepickt, ich war getroffen. Das war ja auch ihr Ziel. Aber ich habe deshalb nicht spontan alles hingeworfen, sondern habe einfach weitergemacht. Ich merkte: andere wollen mich gern aufhalten. Nicht aus böser Absicht, es geschieht ganz unbewusst, um meinen Status zu senken. Und ihren eigenen somit zu erhöhen. Das ist halt so.



Manchmal, wenn ich mit fremden Menschen zu tun habe, scheue ich zuviel Nähe. Man könnte dann denken, ich sei bindungsscheu. Das bin ich nicht. Ich bin einfach nur ein eher distanzierter Persönlichkeitstyp. Ich zitiere gern aus dem Buch "Wie die Gruppe laufen lernt":


Bei dem distanzierten Persönlichkeitstyp handelt es sich um einen Menschen, dem die Eigenständigkeit und Autonomie und alles, was damit zusammenhängt, Bedingung zu einem befriedigenden Leben ist. [...] Der Wunsch, mit anderen in Beziehung zu stehen, ist trotzdem vorhanden, aber nicht immer prioritär. [...]
Das Leben im Kollektiv der Gruppe kostet den Distanzierten Kraft. Seine Erstorientierung zu Beginn einer Arbeit gelingt ihm am besten über interessante Sachthemen, mit denen er zunächst ein „Ich-Thema- Bündnis“ eingehen kann, welches ihm Sicherheit gibt. Während des Gruppengeschehens erlebt man ihn häufig mit einem Bein draußen stehend, was sich im Zurückziehen in den Pausen und im verstärkten Wahrnehmen von Außenbeziehungen äußern kann, im zurückhaltenden Einlassen am Anfang und in fast blitzartiger Abreise am Ende. Während man andere gewissermaßen auf die Realität des Endes hinweisen muss, ist er längst weg! [...]
Als Schutz vor allzu verbindlicher Nähe nutzt er auch gern die Gelegenheit, persönliche Inhalte in Sachinhalte umzumünzen. Lässt man ihm nicht den Raum, den er zu seinem Wohlbefinden braucht, so droht er von Eigenständigkeit in Eigensinnigkeit und Verbohrtheit überzuwechseln und damit auch aus der Gruppe herauszufallen. Ein konstantes Kontaktangebot auf sachlicher Ebene dagegen, das ihm gleichzeitig die Möglichkeit zur Distanz lässt, macht ihn offen für sehr konstruktive Mitarbeit, in der er dann auch sein meist differenziertes Wissen gern zur Verfügung stellt und Witz und Spontaneität zeigt.

Ich gehe seit letztem Jahr zu vielen Networking-Events.
Mein Ziel war es bisher, das Reden mit fremden Menschen zu üben, die Kontaktaufnahme hinzukriegen. Ich dachte, ich müsse doch irgendwann in der Lage sein, locker-flockig mit jedem zu quatschen. Kann doch nicht so schwer sein.
Aber ganz ehrlich: ich möchte meist nicht mit Menschen einfach nur reden um des Redens willen. Ich möchte mit Menschen etwas erschaffen.
Etwas zum Anfassen, etwas zum Nachdenken, etwas zum Ändern, etwas zum Essen, etwas zum Anschauen, etwas zum Ablehnen.
Wenn ich erfolgreich über ein Sachthema kommuniziert hab, kann ich auch gern quatschend in der Bar um die Ecke versacken. Dann kann ich Unsinn reden, rumspinnen und bin ganz anhänglich und nähesuchend.

Deshalb liebe ich Barcamps so sehr. Den ganzen Tag redet man über Sachthemen. Das entspannt mich und gibt mir Raum, auch ganz persönlich zu werden. Heute ist das NewWorkCamp, es wird wie ein Klassentreffen, nur in schön. Und es gibt Themen, über die man reden kann. Wundervoll!


Ich werde immer ein distanzierter Typ bleiben. Ich bin es sehr gern. Das ist halt so.



P.S.:
Einen Workshop über Persönlichkeitstypen gibt´s von mir im November während der Gründerwoche: Klick!
Der nächste Status-Workshop ist im Oktober: Klick!









Mittwoch, 20. September 2017

#monthlyfavourites - September-Lieblinge



Es ist wieder Zeit für die Lieblinge des aktuellen Monats - die #monthlyfavourites im September! 




Zum Arbeiten


Bei neuen Schnupperterminen kommt immer meine Stifte-Tasche zum Einsatz, die ich für´s Brainstorming brauche. Ich habe sie vor Ewigkeiten mal bei Tiger gekauft. Die gleiche wird es wohl nicht mehr geben, aber es gibt dort immer tolle Täschchen in verschiedenen Größen.

In der flow war ein Extraheft zum Thema Handynutzung. Ein guter Impuls, um mir mal eine Woche lang mein Handyverhalten genauer anzusehen. Positive Folge: ich kann es mittlerweile viel besser ignorieren, bin entspannter und konzentrierter.

 
Zum Aufhübschen


Der Monat startete mit meinem Geburtstag und somit mit viel Glitzer. Diese Schuhe habe ich Secondhand bei Kleiderkreisel gefunden, den Ring und das Holo-Portemonnaie bei H&M.

Für´s Gesicht nutze ich momentan am liebsten meine neue Lidschattenpalette von Revolution. Den Namen "Fortune favors the brave" finde ich blöd, aber die Farben sind wunderschön.
In die fischförmigen Schminkpinsel habe ich mich sofort verliebt und nutze sie für Bronzer und Rouge. Ich habe sie von Amazon (grün & blau-lila).


Zum Lesen

Ich schwöre, das ist das letzte Mal, dass "The Fountainhead" von Ayn Rand in den #monthlyfavourites auftaucht!
Ein Jahr habe ich gebraucht, endlich habe ich es fast durchgelesen. Nur noch 25 Seiten! Ich bin noch immer begeistert und macht euch auf was gefasst: es werden hier im Blog noch einige Zitate folgen!



Zum Essen


Falls ihr euch fragt, wer die Idioten sind, die schon im September Lebkuchen und Spekulatius kaufen – ich bin's!!! Ich fiebere schon Monate vorher auf die 36. Kalenderwoche hin, in der die "Saisonware" in die Läden kommt. Ihr seht, ich bin informiert.

Zum Geburtstag habe ich eine meiner Lieblingsschokoladen – Bambina – in Riegelform geschenkt bekommen. Yeah!

Aber das absolute Highlight ist ein Tee, den ich seit Jahren vermisst habe. Den Tazo "Wild Sweet Orange" gab es früher bei Starbucks bis sie ihre Teemarke gewechselt haben. Seitdem habe ich immer mal online gesucht, aber immer nur amerikanische Shops gefunden, bei denen der Versand ungefähr zehnmal soviel kostet wie der Tee.
Nun endlich habe ich einen Shop gefunden, bei dem die Bestellung bezahlbar war. Nun schwebe ich im siebten Himmel. Und der Tee passt auch perfekt zu den Lebkuchen!



Zum Stöbern

Im September habe ich meine neue Reihe #freitagsgedanken gestartet, hier findet ihr den neuesten Artikel:
"Meine Ängste und ich"

Vorher wurde die Reihe #wertekatalog noch mit meinen Top Ten beendet, schaut mal rein:
http://theaterberlin.blogspot.de/2017/08/wertekatalog-top-ten.html

Für alle Bastler habe ich auch erstmalig ein DIY online gestellt, in dem ich zeige, was man praktisches aus ungeliebter Fachliteratur zaubern kann:
http://theaterberlin.blogspot.de/2017/09/theatrediy-visitenkartenhalter-aus.html




Zum Hören

Eine neue Narcos-Staffel ist online! Und mit ihr kam der Ohrwurm wieder zurück. Hier der wunderschöne Titelsong:





Zum Anschauen

Wie schon erwähnt: Narcos! Staffel 3! Seeeehr geil!





Wer Menschen gern beim Häuserbauen zuschaut, dem sei "Grand Designs" (deutscher Titel: "Große Träume, Große Häuser") auf Netflix empfohlen. Unterhaltsam UND interessant. Hier der Trailer zur Episode mit einem meiner Lieblingshäuser:










Montag, 18. September 2017

#theatreDIY – Visitenkartenhalter aus altem Buch




Habt ihr auch Bücher, die ihr blöd findet? Die ihr deshalb auch nicht weiterverschenken wollt? Aber wegwerfen wollt ihr sie auch nicht?

Dann wird es Zeit für eine kleine simple Bastelrunde. Aus einem ungeliebten Buch lässt sich nämlich immer noch ein geliebtes Schreibtisch-Accessoires basteln, das als Visitenkarten-, Flyer- und Briefhalter eine gute Figur macht.
Und so geht's:


1.
Such dir ein Buch, das du nicht magst.

2.
Schlaue Menschen lösen zuerst den Bucheinband ab. Ich gehöre anscheinend nicht zu ihnen.



3.
Nimm die äußere Ecke der ersten Seite und falte den oberen Teil der Seite nach unten. (s. Bild)



4.
Nun folgt auch die untere äußere Ecke, mit der du den unteren Teil der Seite nach oben faltest. Auf diese Weise ist ein Dreieck entstanden.


5.
Genauso verfährst du mit dem Rest der Buchseiten. Ich bin Rechtshänderin, evt. ist es für Linkshänder angenehmer die Seiten umzublättern und jeweils auf der Rückseite zu falten.


6.
Da das ewig dauert, ist zwischendurch Zeit für eine Pause zum Katzenstreicheln.


7.
Weiter geht's.
 


8.
Ein Tee zwischendurch ist auch nicht übel. Mittlerweile ist auch der Buchdeckel ab ...



9. Fertig!!!


Jetzt könnt ihr dieses Wunderwerk nach Lust und Laune bestücken. Vielleicht hänge ich meines auch an die Wand ... 



Freitag, 15. September 2017

#freitagsgedanken – Meine Ängste und ich



Meine Ängste und ich

Eigentlich finde ich mich relativ mutig. Ich habe keine Angst nachts allein in Berlin, ich habe keine Angst vor anderen Menschen, ich habe keine Angst vor dem Reden vor Publikum, ich habe keine Angst vor Nähe, ich habe keine Angst vor Liebeserklärungen, ich habe keine Angst vor Emotionen, ich habe keine Angst vor Entscheidungen, ich habe keine Angst vor Lebensveränderungen.

Aber da gibt es so ein paar Sachen, vor denen ich wirklich Angst hab. Generell nämlich ein bißchen vor Schmerzen und im Besonderen vor Arztbesuchen und im ganz, ganz Besonderen vor Spritzen, Nadeln, Kanülen ... you name it.

Seit einer paar Jahren habe ich Heuschnupfen. Das hatte ich früher nicht, aber plötzlich im Erwachsenenalter entwickelte sich das nach und nach. Seit Jahren nehme ich mir vor, einen Allergietest machen zu lassen.
Einen habe ich mal als Teenager gemacht und Wochen vorher Panik geschoben, weil da ja "die Haut eingeritzt wird", wie mir Freunde dramatisch erklärten. Nach vielen Weinkrämpfen an den Tagen davor, war der eigentlich Pricktest natürlich pille-palle. Absolut schmerzfrei. Um das Gesicht zu wahren, antwortete ich auf die Frage, ob es denn wirklich so schlimm war: "Es war erträglich ..."

Dieser Test ist allerdings etwa 18 Jahre her. Ich googelte gefühlte 1000 Stunden wie Allergietests ablaufen, was es für Desensibilisierungsmöglichkeiten gibt (ja, auch sublingual mit Tropfen, ohne Spritzen!) und war dann diesen Montag endlich, endlich, endlich so weit, einen Termin auszumachen. Für mich eine große Überwindung.
Die Arzthelferin sagte genau das, womit ich nicht gerechnet hätte: "Gern, sie können direkt heute kommen, passt Ihnen 11:30 Uhr?". Whaaaaat? Okay, durchatmen, Ja-sagen.
Um 11:25 Uhr sitze ich im Warteraum und versuche, entspannt zu sein. Die Arzthelferin hat mir gesagt, dass die Ärztin erst mal ein Gespräch mit mir führt, dann guckt man mal, ob der Test am gleichen Tag gemacht wird. Na gut. Das Entspanntsein klappt nur so halb, ich atme tief in den Bauch und zähle bis 10. Dreimal. Wartezimmer empfinde ich immer als bedrückend, ich fühle mich in Arztpraxen einfach generell nicht wohl. Zuviel Weiß, zuviel Licht, es wirkt immer, als wäre man schon im OP.

Die Ärztin ist ganz in Ordnung, wenn auch nicht super sympathisch. In Ordnung halt. Sie fragt nach den Allergiesymptomen, ich berichte, sie fragt nach Haustieren. Das übliche.
Und dann sagt sie genau das, weshalb ich nie zum Arzt gehe: "Gut, dann würden wir jetzt erst mal eine Blutabnahme machen."
Blutabnahme ist mein Horrorwort. Schlimmer geht es kaum. Ich habe ja schon vor Akupunktur Angst, finde Spritzen extrem scheiße, aber Blutabnahme geht gar nicht. No way.
Panik macht sich in mir breit. Ich gucke sie entsetzt an und sage: "Äh, das geht nicht."
Sie fragt warum und ich sage, dass ich zuviel Angst davor habe und dachte, dass ein Pricktest gemacht wird. Sie meint, mit einer Blutabnahme UND Pricktest hat man ein genaueres Ergebnis.
Ich denke: "Maaaaaan, weißt du, wieviel Überwindung es mich gekostet hat, überhaupt hierher zu kommen? Ich hatte einen Fanfarenzug und Konfetti dafür erwartet! Und ein genaues Ergebnis ist mir doch wurscht, ich will nur wissen, ob Birke und/oder Gräser!!!!"
Ich sage: nix (vor Schreck). Sie meint, ich kann am Donnerstag wiederkommen, dann machen wir den Pricktest, denn der dauert länger. Und ich kann mir ja dann überlegen, ob ich dann auch gleich den Bluttest machen will. HAHA! Natürlich! Am Donnerstag habe ich plötzlich total Bock da drauf. Bestimmt!

Ich bedanke und verabschiede mich, gehe aus der Praxis, stelle mich in den nächsten Hauseingang – und weine eine Runde. Über diese Anspannung in mir, die sich nun Bahn bricht, bin ich selbst überrascht. Aber ich kann es nicht ändern, die Angst ist groß.
Diese Angst kann ich im Notfall überwinden. Beziehungsweise ignorieren. Das weiß ich. Ich hatte schon Zahn-Notoperationen. Kein Ding. Aber das hier ist kein Notfall. Im Gegenteil. Und durch die fehlende Not ist die Angst umso größer.

Am Donnerstag bin ich wieder etwas angespannt, aber nicht so extrem. Die Arzthelferin ist lieb und beantwortet mir alle meine doofen Fragen, die ich nur stelle, um mich von meiner Nervosität abzulenken. Als sie die kleinen Ministiche beim Pricktest sticht, befehle ich mir einen ruhigen Atem.
Der rechte Arm mit den ganzen Pollenarten und Gräsern sieht heftig aus und juckt wie blöde. Einige Stellen schlagen sehr stark aus. Ich hatte Recht: Birke und Gräser. Aber dazu noch Hasel, Erle und einige Getreide.

Die Ärztin erklärt mir etwas widerwillig, wie die sublinguale Desensibilisierung abläuft. Sie würde es lieber sehen, wenn ich die Spritzenvariante nehme. Weil das sicherer für mich ist. Ich denke: Kommt drauf an, wie man "sicher" definiert. Emotional sicherer fühle ich mich, wenn ich zu Hause jeden Tag Tropfen nehme.
Über´s Wochende habe ich jetzt Zeit drüber nachzudenken. Mal sehen ...

Soviel zu meiner ängstlichen Woche. Und ihr so?