Montag, 24. Juli 2017

Fehler, die ich in der Teamleitung gemacht habe: #3 Zu viel Distanz































Vor kurzem startete ich eine Reihe über meine fünf größten Fehler in der Teamleitung, heute ist Fehler Nummer 3 an der Reihe:

#3 Zu viel Distanz


Letzte Woche erzählte ich, wie ich in meiner ersten Freizeittheatergruppe merkte, dass zu wenig Distanz ein Problem ist.
Im Laufe der nächsten Jahre merkte ich, dass zuviel Distanz ebenso hinderlich sein kann.

Ich wollte mehr als Autoritätsperson gesehen werden und begann mich mehr zu distanzieren. Dazu gehörte, dass ich die Teilnehmer meiner Kurse und Workshops hauptsächlich als Kunden sah.
Das mit der Distanz klappte meist gut, ich war neutral und freundlich zu allen, hatte aber privat keinen großen Kontakt und hielt mich auch von sozialen Gruppenevents außerhalb der Proben fern.

Mit der Zeit merkte ich, dass mir die Teilnehmer durch dieses Verhalten jedoch Stück für Stück entgleiten. Durch meine eigene Distanzierung, grenzte ich mich selbst zu sehr aus der Gruppe aus. Die Proben wurden automatisiert und es fehlte Herzlichkeit und eine Verbundenheit mit der Gruppe. Gab es Probleme, machte ich diese mit mir selbst aus anstatt mich in einer offenen Runde mit der Gruppe zusammenzusetzen.

Zurecht schwand mit der Zeit das Vertrauen der Teilnehmer. Ich war zwar noch die Leitung, aber die Leute begannen, Dinge untereinander zu klären.

Das eigentlich Fatale aber war: je mehr ich mich distanzierter, desto mehr schwand mein Interesse an der Gruppe. Wenn keinerlei Austausch auf privater Ebene stattfindet, geht das Zwischenmenschliche verloren - und somit der Spaß an der Arbeit.

Die Teilnehmer hatten den Eindruck, dass ich mich nicht für sie interessiere. Und das tat ich auch nicht. Ich hatte mich von ihnen teilweise zu sehr distanziert.
Aus Höflichkeit fragte ich natürlich ab und zu mal, wie es ihnen geht, aber eher weil es dazu gehört als aus eigenem Antrieb. Die Gruppe war für mich manchmal auf einem ganz anderen Planeten.

Zu den Aufgaben eines Gruppenleiters gehört neben fachlicher Leitung, Moderation und Input auch die Unterstützung. Der Leiter ist der Anker der Gruppe, der starke Baum, der den Winden trotzt, der Fels in der Brandung. Er ist die Person, die die Gruppe im Notfall durch die Krise führen kann. Vielleicht nicht ohne Schäden, aber zumindest so unbeschadet wie möglich.
Für diese Rolle muss jedoch ein Teil der "professionellen" Distanz weichen.

Es dauerte eine Weile, bis ich das wirklich begriff und die nächsten Jahre waren Jahre des Balance-Probierens. Nicht immer ist die Balance aus Nähe und Distanz perfekt, aber ich nähere mich meiner Art der optimalen Gruppenleitung so langsam an. Und ich freue mich auf alle weiteren Projekte, in den ich noch weiter üben kann.

Freitag, 21. Juli 2017

Bescheidenheit - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der vierundsechzigste Wert ist:


BESCHEIDENHEIT

Wikipedia sagt:
Bescheidenheit (von „sich bescheiden“, „sich zurücknehmen“, „sich begnügen“, „verzichten“) ist im heutigen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit „Genügsamkeit“, „Anspruchslosigkeit“, „Einfachheit“, „Zurückhaltung“. Sie kann sich auf die Wesensart eines Menschen beziehen (= Bescheidenheit als Charakterzug) oder auch nur ein bestimmtes Verhalten auszeichnen (= einfache Lebensführung, Luxus­verzicht). In der positiven Bewertung bildet sie den Kontrapart zu Begriffen wie „Geltungssucht“, „Überheblichkeit“, „Unbescheidenheit“, „Maßlosigkeit“ oder „Prunksucht“. In einer spöttisch abwertenden Tönung findet sie sich in Redewendungen wie „eine bescheidene Leistung“, „mit einer bescheidenen Intelligenz gesegnet“, „aus bescheidenen Lebensverhältnissen kommend“. Selbstironisch spricht man auch von „mein bescheidener Anteil“ (= geringer Anteil), „meine bescheidene Person“ (= meine Wenigkeit), „mein bescheidener Beitrag“, „meine bescheidene Gabe“ (= Mitbringsel/Spende).
Bescheidenheit kann damit als freiwillige Selbstbeschränkung, als schicksalsverordnete Einschränkung der Persönlichkeit oder der Lebensverhältnisse oder als ironische Untertreibung verstanden werden und erfährt daraus eine entsprechende Bedeutung. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bescheidenheit)


Bescheidenheit ist für mich ein recht kontroverser Wert. Ich vermute, es ist ein Wert, der die Gemüter spaltet. Die einen werden Bescheidenheit für eine Tugend halten. Bescheidenheit wird nämlich gern in Verbindung mit Demut und Dankbarkeit genannt.
Für andere ist Bescheidenheit eine unnötige Zurückhaltung.

"Bescheidenheit ist eine Zier." dachte ich als Kind. Ich war ein glühendes Beispiel an Bescheidenheit. Ich habe sogar kleinste Geldgeschenke von meinen Großeltern abgelehnt ... zumindest eine Weile. Denn irgendwann merkte ich: von Bescheidenheit habe ich ja gar nicht soviel.
Die anderen finden mich nett und lieb, aber ist das wirklich so ein großer Mehrwert?
Im Vergleich mit denen, die unbescheiden sind, schneidet mein Gewinn deutlich schlechter ab.
Von Bescheidenheit kann ich mir nichts kaufen. Das ist leider Fakt. Und das Gefühl moralischer Überlegenheit flaute mit der Zeit immer mehr ab.

Ich begann zu differenzieren, in welchen Bereichen Bescheidenheit für mich wichtig oder tragfähig war, und in welchen nicht.
Eine materielle Bescheidenheit war mir in gewisser Weise immer ein bißchen immanent. Ich brauche nicht viel Geld, um glücklich zu sein. Eine Hausverwalterin hatte mit uns vor Jahren ein Gespräch, als wir eine Gewerbeimmobilie bei ihr anmieteten. Dazu guckte sie sich die Einkommenverhältnisse und auch die Ausgaben an. Letztere fielen sehr gering aus und sie fragte uns in Berliner Manier: "Wovon leben sie eigentlich? Von Luft und Liebe?" Ja, auf jeden Fall!

Auf anderen Gebieten war mir schon immer eine absolute Unbescheidenheit immanent. Verwöhnt mit tollen Eltern und einem super Bruder war für mich immer klar: im sozialen Umfeld für mich bitte nur das Beste vom Besten. An eine Beziehung und meine Freundschaften hatte und habe ich hohe Ansprüche. Schon immer war ich lieber allein als mit jemandem zusammen, mit dem es nicht hundertprozentig passt.
Auch beruflich und überhaupt im Leben habe ich das Bedürfnis nur Tätigkeiten auszuüben, die mir Freude machen. An denen ich Spaß habe. Das funktioniert nicht immer – Steuererklärung und Arztbesuche kann man ja nicht komplett ignorieren –, aber es funktioniert den Großteil der Zeit.

Bescheidenheit ist für mich keine Tugend. Sie ist ein Bedürfnis, das man hat oder nicht hat. Und man kann Bescheidenheit nur dann leben, wenn man sie auch empfindet.
Ein Mensch, der eine große Freude an Dingen und Gegenständen hat, wird vermutlich als Minimalist nicht glücklich werden, auch wenn die Vorstellung verführerisch ist.

Wir müssen nicht bescheiden sein. Wir dürfen auch absolut unbescheiden sein. Wir dürfen uns alles für uns wünschen:



Es gibt so viele wunderbare Dinge auf dieser Welt. Wenn wir etwas davon haben wollen, dürfen wir es uns nehmen. Wir dürfen zugreifen auf diesem großen Buffett. Es ist genug für alle da, wir nehmen niemandem etwas weg.

Bescheidenheit immer gern. Aber nur keine "falsche" Bescheidenheit!


Foto: "Gerüchte, Gerüchte", Theatergruppe Spielschauer: https://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel/

Mittwoch, 19. Juli 2017

"der thermale widerstand" - Deutsches Theater Berlin

Foto: Arno Declair, Bildquelle: http://www.deutschestheater.de

"Die Bäder denen, die baden gehen!"

Ihr wollt mal wieder ins Theater? Ihr habt nicht viel Zeit? Ihr habt nicht viel Geld? Trotzdem soll es intelligent sein? Und auch lustig? Ihr mögt die Filme um Simon Brenner, z.B. "Silentium"? Und generell österreichischen Humor?

Dann auf zu "der thermale widerstand" von Ferdinand Schmalz, in der Box des Deutschen Theaters.
In einer knackigen Stunde wird die Geschichte eines Kurbades erzählt, das mit Hilfe eines Getränke-Konzerns ein Elite-Bad werden will. Der junge Bademeister Hannes ist allerdings strikt dagegen ...

Die Dialoge sind witzig, der Humor mal verspielt und mal derb. Immer wieder gibt es wunderbare Sätze, die im Ohr bleiben, gesprochen von einem tollen kleinen Ensemble. Die Körperlichkeit von Anne Kulbatzki ist der Hammer. Ihren mit Firmenlogos übersähten Körper bewegt sie wie ein verkrampfter Roboter  – bis sie irgendwann und den erfahrenen Händen des Masseurs ganz weich wird.

Das Bühnenbild mit vier winzigen, angedeuteten Räumen, die simplen weißen Kostüme und der Hintergrund-Sound saugen den Zuschauer in den Mikrokosmos dieses Kurbades.

Jetzt ist erstmal Sommerpause, aber für alle, die im Herbst nochmal Baden gehen wollen: Gucken!

Dienstag, 18. Juli 2017

"Ich bin kein Sexist, aber ..."



Das Leben ist schon eins der härtesten. Da kommen wir auf diese Welt, die so viele interessante Dinge für uns bereithält, die wir erfahren, erkunden und ausprobieren können.
Wir wachsen heran und entdecken Vorlieben und Interessen. Wir entwickeln Enthusiasmus und Schaffensdrang. Wir haben Lust, die Welt zu erobern, ob im Kleinen oder im Großen, gemeinsam oder allein.

Alles wäre so angenehm und schön ... wenn da nicht das leidige Thema Geschlecht wäre.

Ob wir mit viel oder wenig Selbstvertrauen durch die Welt gehen, ist zur Hälfte genetisch festgelegt, der Rest entsteht durch Prägung und Erfahrungen.
Spätestens wenn wir erwachsen sind, realisieren wir, dass unser Geschlecht Vorteile und Nachteile mit sich bringt. Dass wir verschieden sind, steht außer Frage. Doch je nachdem, wie wir sozialisiert sind, in welchem Umfeld wir uns bewegen und mit welchen Medien wir uns umgeben, haben wir eine unterschiedliche Einstellung zu den geschlechtlichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten.
Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es zahlreich, aber interessanterweise werden jegliche Hinweise auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern massiv betont, während neutrale Studien seltener publiziert werden. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild, wie dieser interessante Artikel erklärt: Klick!

Der "Gesellschaft" gefällt es natürlich, wenn sich Frauen und Männer bzw. Mädchen und Jungen entsprechend der ihnen zugewiesenen Geschlechterrollen verhalten. Das macht es einfacher und überschaubarer. Wir lieben Regeln und die Trennung nach (biologischem) Geschlecht ist so wunderbar simpel. Das kann jeder verstehen und sich auch daran halten.

Aber macht uns diese Trennung glücklich?

Ich habe das Gefühl, je mehr wir die Geschlechter voneinander abgrenzen, desto mehr benachteiligen wir uns gegenseitig. Je mehr wir trennen, desto schwieriger machen wir uns das Leben. Wir beginnen Dinge zu fordern, die uns vielleicht gar nicht liegen. Und die wir gar nicht wollen.
Indem wir den Geschlechtern Attribute zuschreiben, üben wir einen enormen Druck aus. Das klassische Männer- und Frauenbild lässt uns wenig Spielraum.

Wir fordern von Männern, dass sie sich unglaublich beschränken: sie dürfen nicht emotional sein (oder nur manchmal), sie dürfen sich nicht zu auffällig kleiden, sie dürfen sich nicht bewegen wie sie wollen, sie dürfen nicht zu fröhlich sein, sie dürfen nicht zu nett sein, sie dürfen keine Schwäche zeigen.
Zumindest dann nicht, wenn sie dem entsprechen wollen, was allgemein als "männlich" bezeichnet wird. Ein Fehltritt und der Mann kriegt seine Männlichkeit sofort abgesprochen.
Dafür hat er die Freiheit, alles zu erreichen. Sein Möglichkeitsspektrum ist riesengroß. Er kann auf den allerhöchsten Punkt gelangen und ebenso den absoluten Tiefpunkt.

Frauen erlauben wir (fast) alles. Zumindest auf privater Ebene. Klar, sie sollen bitte "fuckable" sein, weil das toller für die Fortpflanzung ist, aber wenn sie sich doch keine Mühe mit dem Aussehen geben, ist es auch nicht so dramatisch. Immerhin haben sie immer den Grundwert einer Frau. Es heißt ja "Kinder und Frauen" zuerst, denn die einen Sorgen für Fortpflanzung, die anderen sind das frische Produkt davon. Man muss sie also beschützen. Im Gegenzug haben sie aber weniger Chancen, etwas zu erreichen. Das Spektrum liegt irgendwo in der Mitte auf dem des Mannes: eine Frau kann nie die Spitze erreichen, aber auch nie ins Bodenlose sinken. Dazu wird sie viel zu wenig ernst genommen. Beide Extreme trauen wir ihr nicht zu.

Zu hart? Das ist leider (noch) die Realität. Doch es ist Zeit, etwas zu ändern. Wir sind unterschiedlich genug von Natur aus, wir müssen es nicht noch unnötig kompliziert machen durch bekloppte Regeln.


Warum fragen wir uns dauernd, was es bedeutet ein Mann oder eine Frau zu sein? 

Warum fragen wir uns nicht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein?



In der britischen Serie "Doctor Who" geht es um genau das: Was bedeutet Menschlichkeit? Was bedeuten Werte? Wie bin ich ein gutes Wesen?
Die Serie steht für Diversität, Akzeptanz, Mut, Gleichberechtigung, Neugierde und Hoffnung. Nie in meinem Leben hat mich eine Fernsehserie so sehr berührt wie es "Doctor Who" regelmäßig schafft. Sie gibt mir Vertrauen in uns – als Lebewesen. Egal welcher Spezies.

Die Serie startete 1963 und erkämpfte sich einen hohen Beliebheitsgrad. Die Geschichte über ein durch Zeit und Raum reisendes Alien, namens "The Doctor" riss die Zuschauer mit. Als der erste Hauptdarsteller in den Ruhestand treten musste, dachte man sich aus, dass die Hauptfigur einfach beim Sterben regenerieren und eine andere Gestalt annehmen könnte. Zack! Das Konzept für eine ewig laufende Serie war geboren und sorgte bei den Zuschauern durch häufigen Abschied und Neubeginn für Trauer und Vorfreude. Ein wunderbarer Zyklus. Über Jahrzehnte hat "Doctor Who" Fans gefunden, die genau diese Offenheit und diese Freude an Neuem und Veränderung lieben.
Würde man zumindest denken ...

Der mittlerweile 12. Doctor hört zum Jahresende auf und es wurde gerade verkündet, wer die Rolle übernehmen wird. Und es ist zum allerersten Mal: eine FRAU!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die Fans einer Serie, in der es um Veränderung, Empowerment und Gleichberechtigung geht, sind in zwei Lager gespalten. Der Großteil ist begeistert, aber ein anderer Teil wütet mit Schaum vor dem Mund. Hier ein paar Original-Kommentare:

"Eine Frau????????? FURCHTBAR!!!!!!"

" Manche Rollen sollte man so lassen wie sie sind.... Männlicher Mr. Marpel? Weibliche Sherlock Holmes? Weibliche sieben Zwerge?
Irgendwie.... zu erzwungen nur um politisch korrekt zu sein... Naja.... als weiblicher Fan hoffe ich dann mal auf einen guten Companion....."


"So dann bin ich weg...sehr sehr schade"

" ...abwarten und Tee trinken. Mal sehen was das wird. Ich lasse mich überraschen und erwarte nicht viel...." 

"Bitte sag mir, dass das doch ein Scherz ist. Bitte."

"Tja, Schade um eine gute Sendung.."

"Eine Folge bekommt sie eine Chance von mir."

"Wtf eine Frau o.O WAS"

Hier ein paar Schmankerl auf Englisch:





Es gibt sogar schon ein wunderbares Bingo dazu. Und ja, alle Kommentare habe ich so und ähnlich in den Sozialen Medien gelesen:

Quelle: https://pics.me.me


 Ein besonders interessanter Kommentar war für mich dieser hier:

"Tut mir leid aber ich finde das eine schlechte Entscheidung. Der Doktor war eine der wenigen männlichen Indentifikationfiguren für junge Männer oder Burschen die ohne Gewalt und nur durch Intellekt und Mitgefühl Probleme löst. Den Doktor weiblich zu machen wird dies zu nichte machen, sehr kleiner Gewinn (Frauen sind in der Serie auch so schon wirklich nicht schlecht weggekommen, meist besser als die Männer) aber sehr großer Verlust. Meine Meinung, wenn Sie euch nicht gefällt kann ich auch nichts machen." 

Das hat mich irritiert: Warum muss eine Identifikationsfigur das gleiche Geschlecht haben wie ich? Genau damit trennen wir doch wieder zwischen den Geschlechtern!
Ein Mensch kann Vorbild für einen anderen Menschen sein - ganz unabhängig von seinem Geschlecht. Ebenso kann für mich eine Katze, ein Android (I love Data!) oder ein Alien als Inspiration für mein Leben dienen. Und der Doctor - als Alien, für das Geschlechter irrelevant sind - ist eines meiner größten Vorbilder.



Vielleicht beruhigen sich die erhitzten Gemüter irgendwann, denn eine Serienrolle ist immer noch das: eine Rolle. Es ist eine Charakterbeschreibung einer Figur. Eine Sammlung von Eigenschaften und Verhaltensweisen, die in den allermeisten Fällen von beiden Geschlechtern gespielt werden kann. Im Theater mache ich genau das seit Jahren: ich ändere ständig die Geschlechter der Rollen. Eine Frau kann genauso Strenge zeigen wie ein Mann mütterlich sein kann. Es ist alles nur eine Frage der Vorstellungskraft. Und der eigenen Überwindung der Grenzen im Kopf.

Ich weiß, dass das Überleben unserer Art fest einprogrammiert ist. Die aktuelle gesellschaftliche Situation ist zwar schon besser als vor Jahrzehnten, aber noch immer zeitweise deprimierend. Unsere Instinkte sind manchmal übermächtig. Aber es ist erlaubt, auch auf den Kopf zu hören. Wirklich. Auch, wenn das unfassbar klingen mag.

Wir alle sind Opfer des Gender Bias. Ausnahmslos alle! Im Blog Büronymus gibt es einen ganz fantastischen Artikel dazu: Klick!
Aber nur, weil das der Fall ist, heißt es nicht, dass es sich nicht ändern kann. Irgendwann, in tausenden von Jahren. Wenn wir das wollen, müssen wir bei uns anfangen, unsere eigenen Gedanken hinterfragen. Immer und immer und immer wieder. 
Das ist anstrengend, aber es lohnt sich.

Als Inspiration ein wunderbares Video, in dem Dustin Hoffman die Erkenntnis mit uns teilt, dass es so viele interessante Menschen (er bezieht sich in seinem Fall auf Frauen) da draußen gibt, die wir nie kennenlernen, weil sie nicht unseren optischen Vorlieben entsprechen.
Wir müssen nicht jeden auf seine Tauglichkeit als Paarungspartner analysieren. Wir können auch einfach so an der Person interessiert sein: als Mensch. Und es reicht vollkommen, wenn die Person einem sympathisch ist. Sie muss nicht schön sein und sie muss nicht unser bevorzugtes Geschlecht haben.






Lasst uns endlich tun, was wir tun wollen. Unabhängig von unserem Geschlecht. Einfach als Mensch.
Ich fang schon mal an.



Montag, 17. Juli 2017

Fehler, die ich in der Teamleitung gemacht habe: #2 Zu wenig Distanz


Letzte Woche startete ich eine Reihe über meine fünf größten Fehler in der Teamleitung, heute ist Fehler Nummer 2 an der Reihe:

#2 Zu wenig Distanz


Nach meiner Ausbildung zur Kaufmännischen Assistentin hatte ich den Wunsch, das Theaterspiel, das mich vorher immer wieder während der Schulzeit und auch durch die Theaterkurse meiner Mutter (sie ist Lehrerin für Darstellendes Spiel) begleitet hatte, wieder aufleben zu lassen.
Damals gab es noch StudiVZ und ich fand Gleichgesinnte, die Lust hatten, gemeinsam eine freie Theatergruppe zu gründen. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Leiten einer solchen Gruppe, aber ich war schon immer Antreiberin und Organisatorin, also ergab es sich, dass dieser Bereich in meine Hände fiel. Es war eine reine Hobbygruppe und es entwickelten sich nach und nach Freundschaften. Doch wenn Freundschaften auf gemeinsame Zielerreichung treffen, kann es schwierig werden.
Ich wollte gern mit allen befreundet und gleichzeitig eine ernstzunehmende Gruppenleiterin sein. Konflikte waren in dieser Konstellation natürlich vorprogrammiert. Gleichzeitig mit den Teilnehmerin kuschelig sein und am nächsten Tag streng durchgreifen, führt zwangsläufig zu Irritationen.

Als ich dann einmal eine Entscheidung zugunsten der Gruppe, aber gegen das Interesse eines Individuums traf, eskalierte die Situation. Es gab eine lange Diskussion in der ganzen Gruppe und ich merkte, in was für einen schwierigen Posten ich mich manövriert hatte. Die Freundin wurde persönlich und sagte einen Satz, der dafür sorgte, dass mein Interesse an einer Versöhnung schwand. Dass diese Freundschaft nicht hielt, war in Ordnung, das passiert im Leben. Aber dass die Gruppe so nicht wirklich zu führen war, wurde mir immer klarer.

Durch diesen Anspruch an ein freundschaftliches Verhältnis innerhalb der ganzen Gruppe, wurde schnell klar, dass es schwierig würde, eine klassische Leitungsposition innezuhaben. In mir wuchs der Wunsch, einen professionellen Abstand zur Gruppe zu erlangen. Mit Beginn unserer Ausbildung zur Theaterpädagogin beschlossen meine Co-Leiterin (ebenfalls eine Mitspielerin der Gruppe) und ich, dass wir generell professioneller agieren möchten. Wir wollten die Gruppe auf ein neues Niveau heben, Theaterübungen und WarmUps zu Beginn der Proben einführen und die reinen Quatschrunden aus der Probenzeit auslagern. Ein Großteil der Gruppe stellte sich jedoch ganz klar gegen diesen Wunsch. Sie wollten die Lockerheit und Zwanglosigkeit beibehalten. Somit spaltete sich die Gruppe, ein Teil der Leute stieg aus und wir machten mit denen weiter, die Lust auf einen geregelteren Probenprozess hatten.

Die Schwierigkeiten mit der geringen Distanz wurden aber nicht leichter. Immer noch war ich mit den Teilnehmern, die verblieben waren, eng befreundet, es waren intime Freundschaften, in denen wir uns viel anvertrauten, was aber das Verhalten während der Proben erschwerte.

Ich musste während dieser Zeit mühsam lernen, dass in einer Leitungsposition eine gewisse Distanz zur Gruppe essentiell ist. Die Gruppe muss als Einheit für sich existieren, ich bin nur der Begleiter und Unterstützer. Je intensiver ich in die inneren Gruppendynamiken involviert bin, desto mehr verändert sich die Stimmung in der Gruppe und desto schwieriger ist es, Konflikte zu moderieren und die Gruppe durch Krisen zu führen.

Als ich dann anfing, beruflich in den Bereich einzusteigen, hatte ich automatisch eine distanziertere Position, aber anfangs Angst, mich überhaupt mit jemandem anzufreunden. Diese Angst habe ich im Laufe der Jahre abgelegt. Manchmal begegnen mir in meinen Kursen Menschen, mit denen ich sofort auf einer Wellenlänge liege. Und genau deshalb sind es auch Menschen, die durchaus zwischen mir als Privatperson und mir als Gruppenleitung und auch Dienstleisterin unterscheiden können. Ich achte darauf, private Themen nicht zu oft in die Gruppen zu tragen und ich wahre stets eine gewisse Distanz zu meinen Teilnehmern. Albern, offen, flapsig und enthusiastisch bin ich trotzdem. Darauf will ich auf keinen Fall verzichten!

Freitag, 14. Juli 2017

Entwicklung - Blogreihe #wertekatalog

Es ist Value-Friday und es geht weiter mit der Blogreihe #wertekatalog,

Der dreiundsechzigste Wert ist:


ENTWICKLUNG

Wikipedia sagt:
die körperliche und seelische Entwicklung im Zuge des individuellen Lebens, siehe Ontogenese(https://de.wiktionary.org/wiki/Entwicklung)

Entwicklung, wie wunderbar! Entwicklung ist nicht nur ein Wert, nach dem man leben kann, es ist zugleich etwas, was im Leben ganz automatisch passiert.
Das ist einerseits entspannend, andererseits aber auch schwierig. Dass wir uns entwickeln, steht außer Frage, aber zu was entwickeln wir uns? Inwiefern? Und wohin?

Wenn wir uns entwickeln, heißt das nicht automatisch, dass wir uns verbessern. Wobei man natürlich auch erst einmal definieren müsste, was für einen selbst persönlich "Verbesserung" bedeutet.
Für mich bedeutet eine Verbesserung, dass ich in einem Aspekt, einer Geisteshaltung, einer Verhaltensweise oder einer Tätigkeit vorankomme, sicherer bin und perfektere Ergebnisse erziele.
Wenn ich mein erstes Strickstück mit der Mütze vergleiche, die ich vor kurzem gestrickt habe, sehe ich eine Verbesserung. Und zugleich eine Entwicklung: von einem Anfänger habe ich mich zu einem ... fortgeschrittenen Anfänger entwickelt. Immerhin.
In anderen Gebieten habe ich schon einen größeren Schub in der Entwicklung vollzogen. Dabei habe ich gemerkt, dass Entwicklung immer auf Zeit beruht.
Je intensiver ich meine Zeit für eine Aufgabe einsetze, desto mehr entwickle ich mich vorwärts, ich verbessere mich. Je weniger Zeit ich investiere, desto langsamer geht es vorwärts. Oder sogar rückwärts, denn eine Entwicklung kann auch eine Verschlechterung sein.

Als Lebens-Wert ist vermutlich eine Entwicklung zum Besseren gemeint. Eine positive Weiterentwicklung des eigenen Charakters, der eigenen Fähigkeiten, des eigenen Selbstvertrauens.

In meinem Job habe ich den wunderbaren Luxus, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Vielleicht auch sie ab und zu voranzutreiben.
Aber vor allen Dingen: sie zu beobachten.
Wenn ich eine Theatergruppe über mehrere Jahre begleite, bin ich immer wieder erstaunt, wie deutlich Entwicklungen zu beobachten sind. Dabei gehen die persönlichen Entwicklungen mit den schauspielerischen Hand in Hand.
Mit jeder neuen Rolle, die innerhalb eines halben bis dreiviertel Jahres einstudiert wird, wird die Person herausgefordert. Sie muss sich eine neue Sprechweise antrainieren oder neue Bewegungsmuster aneignen. Solch ein anderes Verhalten in den Körper zu transportieren ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe. Umso größer ist die Freude, wenn genau das gelingt.
Oft habe ich erlebt, dass die Entwicklung einer Figur während der Proben stagnierte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Anforderungen, die die Rolle stellt, einfach zu hoch sind, vielleicht unschaffbar. Doch plötzlich, bei der Premiere, mit der Energie, die die Bühne und das Publikum einem geben, wurde diese Rolle lebendig. Ich wurde umgehauen mit einer neuen Spielweise, die Monate lang versteckt war.
Vielleicht aus Unsicherheit. Vielleicht aus Scham. Vielleicht aus Abneigung gegen die Rolle. Vielleicht, weil die Bühnensituation gefehlt hat. Die Gründe sind so vielfältig und individuell wie die Spieler.

Aber mit jeder neuen Rolle entwickelten sich die einzelnen Menschen auch auf persönlicher Ebene weiter. Mit jedem Notfall, mit jeder Herausforderung, mit jeder Katastrophe und mit jedem Freudenjubel über das gemeinsam erreichte Finale gewinnt jeder einzelne ein Stück mehr Freiheit.

Die Freiheit, eigene Facetten zu leben. So wie ein Baum im Laufe seines Lebens wächst, Äste ausbildet, aus denen wiederum kleinere Äste und daraus kleine Zweige entstehen, an denen Blätter, Blüten und Früchte wachsen, so entwickeln auch wir uns erst in die Höhe und dann - im Optimalfall - immer weiter in die Breite. Wir lernen und probieren Neues aus, wir werden in manchen Bereichen stärker und gefestigter und entwickeln auf dieser Basis neue Interessen, um in andere Höhen vorzustoßen.

Oft ist einem diese Entwicklung gar nicht gewahr. Wir können einfach öfter mal innehalten und zurückblicken. Einen gedanklichen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und unser altes Selbst betrachten. Dann merken wir plötzlich: wow, so weit bin ich schon gekommen!

Mit jeder Herausforderung, die wir annehmen, mit allem Neuem, dem wir uns stellen, setzen wir die Weichen für die eigene Entwicklung.

Auch wenn er letzte Woche schon zu Wort kam, konnte ich diesem Zitat von Henry Ford nicht widerstehen:

Foto: "Wir sind noch einmal davongekommen", Theatergruppe Vorspiel: https://www.facebook.com/TheatergruppeVorspiel/

Mittwoch, 12. Juli 2017

Leichter arbeiten mit "Livia"



In meinen Monthly Favourites habe ich Livia schon einmal vorgestellt. Weil vermehrt Fragen von Freunden und Fremden aufkamen, hat das Gerät einen eigenen Blogpost verdient. Der Beitrag ist übrigens nicht gesponsert oder so, ich bin einfach sehr begeistert!


Was ist Livia?

Es handelt sich um ein kleines, transportables Reizstromgerät, das Schmerzen während der Periode lindert / lindern kann.
Mithilfe von Strom werden die Nervenenden stimuliert und somit die Schmerzweiterleitung der Nervenbahnen unterbrochen.

Das Gerät ist das Ergebnis einer Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo, die mein Mann vor etwa einem Jahr entdeckt hatte. Er hat die Kampagne unterstützt und gleich ein Gerät für mich bestellt, mir aber erst später davon erzählt.
Die Kampagne läuft weiterhin - sehr erfolgreich - und das Gerät erreichte mich etwa ein halbes Jahr nach Bestellung.



Funktioniert es wirklich?

Ja. Bis jetzt bin ich extrem zufrieden.
Ich habe früher immer an den ersten zwei Tagen der Periode etwa alle 3-4 Stunden eine Ibuprofen genommen - besonders wenn ich arbeiten musste und nicht mit einer Wärmflasche auf der Couch sitzen konnte. Jetzt sind es während der gesamten Periode insgesamt nur 3-4 Tabletten.
Im Gegensatz zu Tabletten wirkt Livia sofort. Im Moment des Einschaltens wird die Schmerzübertragung unterbrochen und durch eine Art Muskelvibration ersetzt. Somit ist es optimal für den Einsatz auf Arbeit geeignet.
Wichtig: Livia ist kein Wundermittel, das Periodenkrämpfe wegzaubert. Die Krämpfe sind immer noch da und auch spürbar, verursachen aber nicht die gleichen Schmerzen wie vorher. Dennoch spürt man sowohl die Kontraktionen der Krämpfe als auch das Kribbeln durch Livia.



Wie benutzt man Livia?

Livia besteht aus dem eigentlichen Gerät, das eine Größe von ca. 5,3 x 5,3 cm hat. Dazu gibt es ein Kabel mit 2 Strompads in Blütenform. Auf den stromleitenden Flächen werden selbstklebende Gelpads aufgebracht. Nun können die Pads auf den Unterleib geklebt werden. Optimalerweise ein Pad mittig und ein Pad eher seitlich, die beiden etwa 10 cm voneinander entfernt. Welche Position für einen selbst die passendste ist, muss man ausprobieren. Das Kabel wird ans Gerät angeschlossen, welches mit einem Clip (auf der Rückseite des Gerätes) an Unterwäsche, Hosenbund oder Gürtelschlaufe befestigt werden kann.
Es gibt eine On/Off-Taste in der Mitte sowie zwei Tasten mit + und -, mit denen die gewünschte Stärke und Intensität eingestellt werden kann.




Wie fühlt es sich an?

Je nach eingestellter Stufe spürt man ein leichtes bis starkes Kribbeln an der Bauchdecke. In dem Moment, in dem man eine Stufe höher stellt, ist der erste Impuls sehr stark und fühlt sich ein bißchen wie ein sehr leichter Stromschlag an, das relativiert sich aber wieder sofort mit den nächsten Impulsen. Beim ersten Testen fand ich das Kribbeln noch unangenehm, hab mich aber nach den ersten zwei Tagen daran gewöhnt und will jetzt nicht mehr ohne.



Wie lange hält Livia?

Der Akku hält ca 8-10 Stunden und muss dann aufgeladen werden (das eingebaute LED-Licht blinkt rot), ein USB-Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Das Aufladen dauert leider mehrere Stunden.
Man kann Livia auch gut nachts tragen, auch wenn mir da meist eine Wärmflasche reicht.
Bewährt hat sich bei mir ein Rhythmus aus Tagsüber-Benutzen und Nachts-Aufladen.
Die Gelpads halten bei guter Pflege etwa zwei Zyklen lang, das bin ich noch am Austesten. Ersatz-Pads sollten auf jeden Fall mitbestellt werden!





Was muss ich beachten?

Die Hautpartien, die mit den Klebepads in Kontakt kommen, sollten stets trocken und fettfrei sein, damit die Pads lange haften. Livia empfiehlt, jeden Monat ein neues Paar Klebepads zu benutzen, sie halten aber durchaus länger.
Nach spätestens 8-10 Stunden sollten die Pads für eine Weile abgenommen werden, um Hautreizungen zu vermeiden.


Livia wird in einer praktischen Box geliefert, in der man das Gerät und das Kabel mit den Klebebads aufbewahren und auch leicht mitnehmen kann. Das Kabelfach ist etwas eng und das Kabel sollte geschickt gerollt werden, damit es nicht bricht.







Der Versand erfolgt aus Israel und die Bestellungen müssen in der Regel beim Zoll abgeholt werden. Auf den Kaufpreis (momentan 149 $) kommen also noch 19% Einfuhrumsatzsteuer rauf. Wenn ihr zum Zollamt fahrt, unbedingt die Rechnung ausgedruckt mitnehmen!

Nicht vergessen: Bestellt gleich ein Vorratsset Gelpads mit!



Was ist der Unterschied zu einem normalen Reizstrom-Gerät?

Bei Livia ist die passende Stromstärke für Regelschmerzen schon voreingestellt und kann in der Intensität variiert werden. Ein klassisches Reizstromgerät hat komplexere Einstellungen und ist für vielfältigere Einsatzmöglichkeiten konzipiert.
Bei Livia ist das Design hübsch, das Gerät klein, leicht und diskret sowie leicht transportabel. Klassische Reizstromgeräte sind größer, schwerer und muten optisch eher medizinisch/technisch an.




 

Vielleicht ist Livia ja auch etwas für euch? Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt sie einfach in die Kommentare!

Montag, 10. Juli 2017

Fehler, die ich in der Teamleitung gemacht habe: #1 Unehrlichkeit



Aus Fehlern lernt der Mensch und ich habe davon so einige gemacht in meiner beruflichen Laufbahn ... und ich mache damit fleißig weiter, denn man lernt nie aus.
Dennoch gibt es Fehler, die ich mir hätte sparen können, wenn ich vorher an meiner eigenen Einstellung und den eigenen Prinzipien gearbeitet hätte. Aber diese Dinge habe ich erst durch meine Arbeit gelernt.

Die fünf größten Fehler in der Gruppenleitung der vergangenen Jahre möchte ich in den nächsten Wochen gern mit euch teilen.
Den Anfang macht heute:


#1 Unehrlichkeit

Als ich anfing zu arbeiten, fiel es mir schwer, ehrlich zu sein. Ich konnte schwer Fehler zugeben, habe eher versucht, sie zu vertuschen oder zu verheimlichen oder wenigstens im Nachhinein schönzureden.

Wenn ich eine bestimmte Idee hatte, habe ich versucht, durch Trickserei und geschickt platziertes Vorbringen der Idee bei bestimmten Leuten die Chancen zu erhöhen, diese Idee durchzusetzen.

So etablierte ich eine Natur der Geheimniskrämerei und Unehrlichkeit, die mir anfangs gar nicht so bewusst war, doch nach und nach immer öfter auf die Füße fiel. Wenn ich unbedingt ein bestimmtes Stück durchsetzen wollte, machte ich Abstimmungen sehr schnell und traf in Zweifelsfällen Entscheidungen ohne die Gruppe zu berücksichtigen. Wenn ich eine bestimmte Art der Inszenierung wollte, lenkte ich Gespräche immer wieder auf meine Ideen ohne auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zu achten.

Ich hatte Schwierigkeiten offen über Geldthemen zu sprechen, machte das gern nur auf schriftlichem Wege, weil es mir peinlich war, dass ich für meine Arbeit Geld verlange. Es war mir peinlich, weil ich an meinen eigenen Fähigkeiten zweifelte. Und ich zweifelte an meinen Fähigkeiten, weil ich eigentlich im Inneren wusste, dass ich mich anders verhalten müsste.

Zu Beginn meiner Selbständigkeit und während meiner Ausbildung habe ich des öfteren in Teams gearbeitet. Teamarbeit kann auch mit Unehrlichkeit funktionieren, macht aber dann keinen Spaß. Und es hat wirklich keinen Spaß gemacht.
In einem Team zu arbeiten bedeutet, dass Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Ideen gemeinsam auf ein Ziel zusteuern. Dabei muss ein Austausch stattfinden und es müssen gute Kompromisse oder ganz neue individuelle Lösungen gefunden werden, hinter denen alle Teammitglieder stehen.
Hat ein Teammitglied, mit dem ich Schwierigkeiten hatte, mal bei einer Probe gefehlt, habe ich gern spontan mit den Teilnehmern Entscheidungen getroffen, die nicht im Sinne des anderen Teammitglieds waren. Einfach aus Angst vor der Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber.
Meinungsverschiedenheiten führen oft zu einem (kurzfristigen) Machtverlust, den ich unbedingt verhindern wollte. Unehrlichkeit war dabei mein Mittel der Wahl.

Über die Jahre merkte ich, dass die Unzufriedenheit in meinen Gruppen und Anleiterteams wächst. Mühsam zwang ich mich zu mehr Offenheit, zu Diskussionen und dazu, die Teilnehmer und Teammitglieder in Entscheidungen einzubeziehen. Mehr noch: nur noch gemeinsame Entscheidungen mit ihnen zu treffen.
Was mich am Anfang Überwindung kostete, überraschte mich mit wunderbaren Ergebnissen. Je ehrlicher ich mit meinen Mitmenschen umging, desto besser funktionierte die Arbeit. Aus der Überwindung wurde Normalität, ja sogar Freude an der Offenheit.

Mittlerweile ist es für mich normal, offen und ehrlich zu antworten und mit meinem Gegenüber das Gespräch zu suchen, wenn es ein Problem gibt. Eine Lernerfahrung, für die ich sehr dankbar bin.

Wie sind eure Erfahrungen mit Ehrlichkeit und Unehrlichkeit?